Einleitung
Frida Kahlo sitzt im Selbstporträt mit Stalin unten rechts neben einer Staffelei, die ein viel größeres Bild des sowjetischen Staatschefs trägt. Sein Kopf nimmt einen großen Teil des oberen linken Bereichs ein, während ihr rotes Schultertuch und ihr Rock sich vom dunklen Porträt und dem rötlichen umgebenden Grund abheben. [1] [2] Der ungleiche Maßstab rückt eine politische Persönlichkeit ins Zentrum eines Gemäldes, das dennoch ein Selbstporträt ist.
Illustrierte Kataloge datieren das Werk auf etwa 1954 und verzeichnen es in der Sammlung des Museo Frida Kahlo. [1] [2] Es gehört zu Kahlos später politischer Malerei, doch das Bild allein kann weder genau erklären, warum sie diese Form wählte, noch das Spannungsverhältnis zwischen seinem Stalin-Motiv und ihrer früheren Verbindung zu Leo Trotzki auflösen. Eine eigenständige Vorzeichnung in Graphit und ein anderes, unvollendetes Porträt Stalins machen es sinnvoll, vor jeder Interpretation zunächst die Identität des Werkes zu klären. [1] [3]
Auf einen Blick
- Künstlerin und Titel: Frida Kahlo, Autorretrato con Stalin (Selbstporträt mit Stalin); Andrea Kettenmann nennt auch Frida y Stalin. [1] [2]
- Datierung: Etwa 1954 in Kettenmanns Darstellung; 1954 im Katalog des Museo Roca. Ein genauer Entstehungstag ist nicht dokumentiert. [1] [2]
- Technik und Maße: Die illustrierten Kataloge beschreiben Öl auf Hartfaserplatte, 59 × 39 cm. [1] [2]
- Komposition: Kahlo sitzt neben einem wesentlich größeren Porträt Stalins auf einer Staffelei; über ihr erscheint eine runde gelbgrüne Form. [1] [2]
- Sammlungsnachweis: Ältere Kataloglegenden nennen das Museo Frida Kahlo in Mexiko-Stadt; einen heutigen Standort in einem Ausstellungssaal bestätigen sie nicht. [1] [2]
Inhalt
- Einleitung
- Kahlo neben dem Porträt
- Ein eigenständiges Gemälde und eine Vorzeichnung
- Die frühere Komposition mit Dr. Farill
- Politisches Engagement und historische Spannung
- Datierung, Sammlung und spätere Lesarten
- Weiterführende Lektüre
Selbstporträt mit Stalin in Kahlos Laufbahn
Die zwei Fridas
1939Selbstporträt mit Stalin
etwa 1954; KatalogdatierungQuelle der Zeitleiste: Chronologie des Museo Frida Kahlo [9].
Videos: Frida Kahlo
Fünf Perspektiven, die Sie hier ergänzend zum Artikel ansehen können.
Frida Kahlos Die zwei Fridas: Great Art Explained
Eine gezielte visuelle Einführung in das Gemälde und seinen Kontext.
Kahlo neben dem Porträt
Stalins Bild wird von einem dunklen Rechteck gerahmt und von einer breiten orangeroten Staffelei getragen. Sein Kopf ist leicht nach links gewandt und nimmt den größten Teil der oberen Bildhälfte ein, während Kahlo rechts deutlich tiefer sitzt. [1] Ihre hellen Ärmel und das weiße untere Kleidungsstück heben das rote Schultertuch und den weiten Rock hervor. Das Missverhältnis ist nicht allein eine Frage der Perspektive: Der Maßstab des dargestellten Porträts ist selbst das eindringlichste Element ihrer Selbstdarstellung.
Oben rechts im rötlichen Hintergrund erscheint eine fleckige gelbgrüne Scheibe. Sie ist eine sichtbare Kreisform, doch die verfügbare Abbildung und die Katalogtexte klären nicht, ob Kahlo eine Sonne, einen Mond, einen Heiligenschein oder etwas weniger Bestimmtes meinte. [1] [2] Der politische Schwerpunkt des Werkes verlangt keine feste Benennung jeder Bildspur. Das Verhältnis zwischen einer kleineren Künstlerin und einem übergroßen Staatschef wirft bereits eine gewichtige visuelle Frage auf.
Kahlos Position unterscheidet sich auch davon, Stalin einfach als Modell zu malen. Sie hat sich selbst in die Szene aufgenommen, in der sein Bild gezeigt wird, und ihren Körper und ihre Kleidung davor platziert, statt sich wegzulassen. [1] Andrea Calvo Díaz deutet diese Einbeziehung der eigenen Person als Aussage ideologischer Zugehörigkeit. [4] Das ist eine überzeugende Interpretation der Anordnung, keine von Kahlo auf dem Bild hinterlassene Absichtserklärung.
Ein eigenständiges Gemälde und eine Vorzeichnung
Kettenmanns Darstellung unterscheidet das Selbstporträt mit Stalin von einem unvollendeten Porträt Stalins aus Kahlos letzten Jahren. Im unvollendeten Werk erscheint Stalin allein; in diesem Gemälde nimmt Kahlo den Vordergrund neben seinem dargestellten Kopf ein. [1] Eine von Kettenmann reproduzierte Aufnahme des Ateliers der Casa Azul zeigt das unvollendete Porträt Stalins allein auf einer Staffelei. Sie bestätigt, weshalb die beiden späten Werke nicht in einem einzigen Objektdatensatz zusammengefasst werden sollten.
Es gibt außerdem eine Zeichnung zu dieser Komposition. Die Fine Arts Museums of San Francisco führen Drawing for Self-Portrait with Stalin als Graphitarbeit auf Papier von 1954 im Bestand der Treuhandstiftung Museo Frida Kahlo/Banco de México. [3] Der Ausstellungstext beschreibt Kahlo in Tehuana-Kleidung, sitzend vor einer Staffelei mit Stalins Bild. Das ist eine Vorbereitung der Anordnung des Selbstporträts, nicht das unvollendete Porträt Stalins allein.
Diese Unterscheidung schützt selbst grundlegende Angaben. Die Maße von 59 × 39 cm und die Beschreibung als Öl auf Hartfaserplatte gehören zu den illustrierten Katalogeinträgen des vollendeten Selbstporträts; sie dürfen nicht einfach auf das unvollendete Atelierporträt oder das Graphitblatt übertragen werden. [1] [2] [3] Dasselbe gilt für ein angeblich „letztes Gemälde“: Weder ein ähnliches Motiv noch eine späte Katalogdatierung belegt die Reihenfolge von Kahlos letzten Werken.
Die frühere Komposition mit Dr. Farill
Kettenmann vergleicht das Stalin-Gemälde mit Kahlos Selbstporträt mit dem Porträt von Dr. Juan Farill von 1951. In der früheren Komposition sitzt Kahlo im Rollstuhl neben einem Porträt ihres Arztes auf einer Staffelei. [1] Die Figuren, der Schauplatz und die Farben unterscheiden sich, doch beide Gemälde stellen das Bild einer anderen Person neben Kahlos eigenes Abbild. Diese wiederholte Anordnung macht den Vergleich präziser als eine allgemeine Aussage über ihre spätere Politik.
Für Kettenmann spielt Farill im ersten Bild eine rettende Rolle, während Stalin im zweiten einen heiligenähnlichen Platz einnimmt. Sie liest das Selbstporträt mit Stalin deshalb als Ausdruck eines nahezu religiösen Glaubens an den Kommunismus. [1] Calvo Díaz führt denselben Vergleich in ihrer Untersuchung von Kahlos politischer Kunst an, zitiert für die Heiligenanalogie aber Kettenmann; die Übereinstimmung stellt keine zwei unabhängigen Zeugnisse von Kahlos Gedanken dar. [4] Die Gemälde tragen einen visuellen Vergleich, während die Erklärung als Glaubensbild eine zugeschriebene Lesart bleibt.
Der Wechsel vom Arzt zum politischen Führer verändert auch, was sich für die Betrachtenden ableiten lässt. Farill war ein Arzt, den Kahlo persönlich kannte; Stalin erscheint hier als riesiges öffentliches Bild, nicht als Person, die ihr nachweislich Modell gesessen hätte. [1] Das Werk könnte politisches Engagement mit ihrem eigenen Bedürfnis nach Unterstützung verbinden, wie Kettenmann vorschlägt. Ein kompositorisches Echo kann aber weder beweisen, dass Kahlo von Stalin eine tatsächliche Heilung erwartete, noch dass ihr Gemälde als herkömmliches Votivbild fungierte.
Politisches Engagement und historische Spannung
Der Ausstellungstext der Fine Arts Museums zur Vorzeichnung verbindet Kahlos spätes Werk mit ihrem kommunistischen Engagement und dem in ihrem Tagebuch festgehaltenen Wunsch, Kunst in den Dienst einer politischen Sache zu stellen. [3] Die Einführung des Museo Dolores Olmedo zum Tagebuch verweist auf Lenin, Stalin und Marx auf dessen Seiten. [5] Das sind kuratorische Darstellungen eines umfangreicheren Quellenbestands, keine vollständige Transkription des Tagebuchs und keine Erklärung jedes Symbols dieses Gemäldes.
Stalins Bild ist durch Kahlos frühere Verbindung zu Leo Trotzki besonders aufgeladen. Das Museo Frida Kahlo hält fest, dass Trotzki, ein Gegner Stalins, 1937 nach Mexiko kam und bis 1939 in der Casa Azul lebte. [6] Kahlos Selbstporträt, Leo Trotzki gewidmet gehört zu dieser früheren Zeit. Das spätere Selbstporträt mit Stalin macht den Wandel der politischen Bildsprache sichtbar, ohne allein jeden Schritt ihrer Anschauungen zwischen den beiden Werken zu erklären.
Der Kunsthistoriker Peter Lodermeyer hat Kahlos spätere Stalin-Bilder angesichts ihrer vorherigen Beziehung zu Trotzki als verstörend bezeichnet. [7] Diese ethische Reaktion ist das Urteil eines späteren Wissenschaftlers, und es ist wichtig, den historischen Widerspruch nicht auszulöschen. Ebenso wichtig ist es, das Bild nicht in die unbelegte Aussage umzudeuten, Kahlo habe Stalin gehasst: Dass sie ihn nach ihrer früheren Verbindung zu Trotzki in diesem Maßstab darstellt, ist der dokumentierte Sachverhalt; eine vollständige Darstellung ihrer privaten Überlegungen enthalten die hier angeführten Quellen nicht.
Datierung, Sammlung und spätere Lesarten
Kettenmanns Bildlegende datiert Autorretrato con Stalin o Frida y Stalin auf etwa 1954; der Eintrag des Museo Roca nennt 1954. Beide beschreiben Öl auf fibra dura — Hartfaserplatte — mit den Maßen 59 × 39 cm und nennen das Museo Frida Kahlo in Mexiko-Stadt. [1] [2] Ihre Übereinstimmung bietet für diese Angaben eine solide historische Kataloggrundlage, doch keiner der beiden Texte ist eine aktuelle Vermessung, eine Konservierungsakte oder ein Verzeichnis der derzeit ausgestellten Werke.
Kettenmann erläutert, dass die späten politischen Bilder keine Datierungen tragen, und ordnet sie aufgrund einer stilistischen Einschätzung Kahlos letzten Jahren zu. [1] Es wäre daher irreführend, dieses Werk als ihr sicher dokumentiertes letztes Gemälde zu bezeichnen. Eine spätere quantitative Studie von Kahlos Selbstporträts führt es mit 1954 an und verweist auf Seite 610, Katalognummer 148, des Gesamtgemäldebandes von 2021. Dieser genaue Eintragsverweis bleibt ein Recherchehinweis, keine für diesen Artikel konsultierte Seite. [8]
Diese Studie codierte das Selbstporträt mit Stalin nicht als Gemälde, das ausdrücklich Schmerz oder Wut zum Ausdruck bringen sollte. [8] Sein Wert ist Teil eines Studiendesigns, keine Messung von Kahlos Gefühlen. Dennoch bietet er ein nützliches Korrektiv zu der Gewohnheit, jedes späte Gemälde als unmittelbaren Beleg für Leiden zu betrachten. Hier lautet die sichtbare Frage der Komposition, wie Kahlo sich in Beziehung zu einem politischen Bild präsentiert; klinische Aussagen über ihre Pinselführung benötigen andere Belege.
Häufige Fragen
Nein. Das unvollendete Porträt zeigt Stalin ohne Kahlo, während das Selbstporträt mit Stalin sie neben seinem Bild auf einer Staffelei platziert. [1] Eine eigenständige Graphitzeichnung bereitet die Komposition des Selbstporträts vor. [3]
Die konsultierten Kataloge datieren es auf etwa 1954, belegen aber keine Reihenfolge der letzten Werke. [1] [2] Seine späte Datierung allein kann nicht bestimmen, welches Gemälde sie zuletzt malte.
Weiterführende Lektüre
Stalin untersucht das eigenständige unvollendete Porträt auf Kahlos Atelierstaffelei. Der Marxismus wird den Kranken Gesundheit geben behandelt ein weiteres spätes politisches Gemälde, während das Selbstporträt, Leo Trotzki gewidmet zu einem anderen Moment ihres politischen Lebens gehört.
Diskussion
Erklären Sie Ihre Sicht anhand der angeführten Belege und Ihrer eigenen genauen Betrachtung. Die folgenden Fragen sind Ausgangspunkte, keine festgelegten Interpretationen.
Gedanken der Leserschaft
Wie verändert der Maßstab von Stalins dargestelltem Kopf Kahlos Selbstdarstellung?
Welche Ähnlichkeiten zur Komposition mit Dr. Farill sind sichtbar, und welche Bedeutungen werden von Wissenschaftlern zugeschrieben?
Wie lassen sich der Trotzki-Kontext von 1937 und das spätere Stalin-Bild zusammendenken, ohne Kahlos private Gedanken zu erfinden?
Beteiligen Sie sich am Gespräch
Welche Lesart passt am besten zu den Belegen, und wo bleibt Unsicherheit?
Quellen
- Andrea Kettenmann, Frida Kahlo: dolor y pasión, gedruckte S. 80–82 zum Vergleich mit Dr. Farill und drei späten politischen Werken, gedruckte S. 87 zur Abbildung von Autorretrato con Stalin o Frida y Stalin, gedruckte S. 88–89 zum eigenständigen unvollendeten Porträt und gedruckte S. 96 zu etwa 1954, Öl auf Hartfaserplatte, 59 × 39 cm und dem historischen Nachweis des Museo Frida Kahlo. Diese konkreten Seiten, nicht das vollständige Buch, wurden konsultiert. Quellentext ansehen.
- Ivanna Margarucci, Frida Kahlo: una vida a través del arte (Museo Roca, 2016), bebilderte gedruckte S. 84, Eintrag 199. Genannt werden 1954, Öl auf Hartfaserplatte, 59 × 39 cm und das Museo Frida Kahlo; der religiöse Vergleich ist eine Lesart, kein Zeugnis der Künstlerin. Quellentext ansehen.
- Fine Arts Museums of San Francisco, Frida Kahlo: Appearances Can Be Deceiving, Ausstellungstext zur eigenständigen Graphitzeichnung von 1954 Drawing for Self-Portrait with Stalin, der ihre Sammlung und das dargestellte Motiv verzeichnet. Quellentext ansehen.
- Andrea Calvo Díaz, „La influencia del Manifiesto del Partido Comunista de Karl Marx y Friedrich Engels en la pintura de Frida Kahlo“, Versiones 13 (2018), gedruckte S. 106–107, Abbildung 6 und Erläuterung der Einbeziehung der eigenen Person und politischen Zugehörigkeit. Ihr Vergleich mit einem Heiligen zitiert ausdrücklich Kettenmann. Quellentext ansehen.
- Museo Dolores Olmedo, „A Peek at Frida Kahlo's Diary“, Absatz über Lenin, Stalin und Marx in Kahlos Tagebuch. Die kuratorische Einführung ersetzt nicht die unmittelbare Konsultation des vollständigen Notizbuchs. Quellentext ansehen.
- Museo Frida Kahlo, zweisprachiger Kinderführer, PDF-S. 10, über Trotzkis Gegnerschaft zu Stalin und seinen Aufenthalt in der Casa Azul von 1937 bis 1939. Quellentext ansehen.
- Universität Wuppertal, Interview mit dem Kunsthistoriker Peter Lodermeyer, Antwort zu Kahlos Politik, Trotzki und den späten Stalin-Bildern. Seine ethische Einschätzung wird ihm zugeschrieben und nicht als Kahlos Absicht dargestellt. Quellentext ansehen.
- „The art of pain: A quantitative color analysis of the self-portraits of Frida Kahlo“, Frontiers in Human Neuroscience (2022), Tabelle 1, Zeile zum Selbstporträt mit Stalin und genauer Verweis auf dessen Katalogeintrag. Der Schmerz-/Wutwert der Tabelle ist eine Forschungsklassifikation, keine Aussage der Künstlerin. Quellentext ansehen.
- Die Chronologie des Museo Frida Kahlo liefert die Daten der Vergleichswerke. Für dieses Gemälde nennt Kettenmann (Quelle 1) etwa 1954 aufgrund einer Zuschreibung zum Spätstil, während das Museo Roca (Quelle 2) es mit 1954 katalogisiert; die Markierung bedeutet keine genau datierte Inschrift. Quellentext ansehen.



