von
Tom Gurney, BSc (Hons), ist Experte für Kunstgeschichte mit über 20 Jahren Erfahrung
Seite erstellt am 2. März 2018 / Seite aktualisiert am 6. Oktober 2026
E-Mail: tomgurney1@gmail.com / Telefon: +44 7429 011000

Einleitung

Ein weißer Vogel steht vor einer großen aufgeschnittenen Wassermelone in Frida Kahlos Viva la vida y el Dr. Juan Farill. Früchte drängen sich um einen kleinen eingesteckten Wimpel und machen ein spätes Stillleben zu einer Botschaft an den Arzt, der sie behandelte. [1] [2] [3] Die Worte „Viva la vida“ mögen an ein anderes Gemälde Kahlos erinnern, doch dies ist nicht das Wassermelonenbild der Casa Azul, das diese Worte auf einer Scheibe im Vordergrund trägt: Die beiden Kompositionen, historischen Sammlungsangaben und Katalogeinträge unterscheiden sich. [1] [4]

Seine Datierung ist weniger eindeutig als der Titel. Mexikos Nationales Institut für Schöne Künste und Literatur (INBAL) bezeichnet das Farill-Werk als Gemälde von 1953, während ein bebilderter Katalog des Museo Roca es auf 1954 datiert. [1] [3] [5] Die zweckmäßigste Kurzangabe ist um 1953–1954, wobei die Abweichung sichtbar bleibt, statt stillschweigend aufgelöst zu werden.

Auf einen Blick

  • Künstlerin und Titel: Frida Kahlo, Naturaleza muerta: Viva la vida y el Dr. Juan Farill (Stillleben: Es lebe das Leben und Dr. Juan Farill). [1] [3]
  • Datierung: Um 1953–1954. INBAL nennt 1953, Museo Roca 1954, und Andrea Kettenmann gibt den weiteren Zeitraum „wahrscheinlich zwischen 1951 und 1954“ an. [1] [3] [5]
  • Material und Maße: Museo Roca verzeichnet Öl auf Hartfaserplatte, 39 × 65 cm; ein ZⓈONAMACO-Galeriekatalog von 2024 nennt Öl auf Masonite, 41 × 67 cm. Die Maßabweichung ist ungeklärt. [1] [2]
  • Empfänger: Der Titel und INBALs Darstellung nennen den Orthopäden Juan Farill, dem Kahlo auch ein Selbstporträt von 1951 widmete. [3] [5]
  • Spätere Nachweise: Ein Ausstellungsinventar von 1960 führt ein Kahlo-Stillleben von 1953 aus Farills Sammlung auf; ein Galeriekatalog von 2024 bildet das Tauben-und-Wassermelonen-Bild ab. Keiner nennt dessen heutigen rechtmäßigen Eigentümer. [2] [6]

Inhalt

  1. Einleitung
  2. Eine Taube vor der Wassermelone
  3. Welches Viva la Vida?
  4. Farill und die Widmung
  5. Eine Spur von 1960 und eine Abbildung von 2024
  6. Weiterführende Seiten

Viva la Vida und Dr. Juan Farill in Kahlos Laufbahn

Quelle der Zeitleiste: Chronologie des Museo Frida Kahlo [9].

Videos: Frida Kahlo

Fünf Perspektiven, die Sie hier ergänzend zum Artikel ansehen können.

Eine Taube vor der Wassermelone

Das Gemälde ist breit und niedrig. Eine große halbe Wassermelone zieht sich durch seine Mitte, während links dahinter eine zweite rote Schnittfläche aufragt. Spitze Formen in warmen Farben ragen über der Frucht hervor, während kleinere gelbe, orangefarbene und dunkelrote runde Formen an den unteren und rechten Rand drängen. [1] [2]

Vorn blickt ein weißer Vogel nach links und hebt sich von den dicht gedrängten Rot- und Grüntönen dahinter ab. Aus der mittleren Frucht ragt ein schmaler Stab mit einem winzigen grün-weiß-roten Wimpel, sodass einige dunkle Zeichen auf Stoff Teil des Stilllebens werden, nicht eine darunter gesetzte Beschriftung. [1] [2] Diese kleinen Reproduktionen erlauben es nicht, jeden Buchstaben der gemalten Schrift oder eine gemalte Datierung sicher zu lesen.

Das obere Bildfeld geht von Blau in dunklere Töne über und enthält auf jeder Seite eine kreisförmige Form in warmen Farben. Kettenmann sieht einen Tag-und-Nacht-Himmel mit Sonne und Mond und bestimmt den Vogel als Friedenstaube und den Wimpel als mexikanische Flagge. [7] Die Trikolore und die taubenartige Form sind sichtbar, doch die genaue Himmelsdeutung und politische Bedeutung gehören zu ihrer Interpretation; beides sollte nicht als Aussage behandelt werden, die Kahlo auf das Bild schrieb.

Kettenmann verbindet diese Motive mit Kahlos späten politischen Überzeugungen und vergleicht ein eigenständiges Gemälde, das für einen Friedenskongress entstand. Dieser Vergleich hilft zu erklären, warum ein Vogel zwischen Früchten mehr als dekoratives Interesse haben kann; das Kongressbild besitzt jedoch seinen eigenen Auftrag und seine eigene Bildsprache. [7] Hier liegt kein Dokument vor, das besagt, Farills Stillleben sei für diesen Kongress gemalt worden oder jede Frucht verschlüssele einen politischen Slogan.

Welches Viva la Vida?

Die Ähnlichkeit der Worte hat wiederholt zu Verwechslungen von Kahlos späten Stillleben geführt. Ivanna Margaruccis bebilderter Katalog des Museo Roca führt das Farill-Werk als Eintrag und Bildtafel 201 und das Viva la vida, sandías der Casa Azul als Eintrag und Bildtafel 204. Das erste zeigt einen weißen Vogel, einen eingesteckten Wimpel und verschiedene Früchte; das zweite ordnet ganze und aufgeschnittene Wassermelonen ohne diesen Vogel an. [1]

Der ZⓈONAMACO-Katalog von 2024 reproduziert die Farill-Komposition in seinem Abschnitt LS / Galería und beschriftet sie mit Naturaleza muerta “Viva la vida y el doctor Juan Farill”. [2] Das Museo Frida Kahlo bezeichnet sein eigenes, anderes Viva la Vida als Gemälde, das um 1950 begonnen und gegen Ende von Kahlos Leben erneut bearbeitet wurde. [4] Diese Museumsgeschichte gehört zum Werk der Casa Azul. Sie macht Farills Stillleben weder zu einer Komposition, die vollständig nur wenige Tage vor ihrem Tod gemalt wurde, noch zu einem in der Casa Azul ausgestellten Gemälde.

Die beiden Einträge enthalten auch unterschiedliche Angaben zum materiellen Werk und seinem Verbleib. Museo Roca nennt für das Farill-Werk 39 × 65 cm und eine historische Privatsammlungsangabe, während das Wassermelonenbild des Museums im Katalog gesondert behandelt wird. [1] Die spätere Beschriftung von LS / Galería nennt für das Farill-Bild 41 × 67 cm. [2] Es wäre verlockend, die Abweichung von zwei Zentimetern durch einen Rahmen oder eine Messkonvention zu erklären, doch keine der Quellen sagt dies, und keine technische Akte klärt sie.

Farill und die Widmung

Juan Farill war ein Orthopäde, der an Kahlos Behandlung beteiligt war. In seinem Programm Kahlo sin fronteras von 2024 nennt INBAL das Selbstporträt mit dem Porträt von Dr. Farill von 1951 und dieses Stillleben als zwei Werke, die Kahlo ihm widmete. [5] Die spanischsprachige Pressemitteilung beschreibt einen weiteren Ausdruck ihrer Beziehung: ein Anatomiebuch, das sie mit einer Widmung für Farill versah und das unter den medizinischen Dokumenten der Ausstellung gezeigt wurde. [3]

Kettenmann bezeichnet das Stillleben als Geschenk an den Arzt, und eine Studie der Universität La Laguna beschreibt es ebenfalls so. [7] [8] Diese Darstellungen sind relevant, doch Titel und Wimpel des Gemäldes klären für sich genommen nicht die Bedingungen der Übergabe. Eine Widmung kann Dankbarkeit ausdrücken, ohne eine datierte Schenkungsurkunde zu sein; in den zitierten Unterlagen findet sich weder eine Originalquittung noch ein Übergabedokument der Familie Farill.

Kahlo hatte Farill im früheren Selbstporträt öffentlich gedankt: Sie sitzt vor seinem gemalten Bildnis und präsentiert ihre eigenen im Bild dargestellten Malutensilien. Früchte und Vogel des Stilllebens sind eine andere Art, sich an ihn zu wenden. [5] [7] Die ausführliche medizinische Chronologie, die Materialien des Selbstporträts und die zugehörigen Tagebuchpassagen gehören zu jenem Gemälde; hier ist die wiederholte Entscheidung, den Arzt zu nennen, die wichtige Verbindung.

Eine Spur von 1960 und eine Abbildung von 2024

Eine UNAM-Veröffentlichung von 1961 zum Ausstellungskalender von Mexiko-Stadt im Jahr 1960 verzeichnet eine aufschlussreiche Gruppe im Salón de la Plástica Mexicana. Ihre September–Oktober-Liste enthält ein Kahlo-Selbstporträt von 1951 aus dem Besitz von Dr. Juan Farill als Nummer 28 und eine Naturaleza muerta von 1953 aus dem Besitz von Sr Juan Farill als Nummer 29. [6] Dies ist ein starker Beleg dafür, dass ein Farill gehörendes Stillleben mit der Datierung 1953 im Jahr 1960 ausgestellt wurde, zeitlich nahe an der Lebenszeit des Arztes.

Das Inventar druckt zu Nummer 29 weder eine Bildtafel noch Maße oder die Widmung „Viva la vida“ ab. Datierung, Technik, Eigentümer und die Nachbarschaft zum Selbstporträt machen den Eintrag zu einem wahrscheinlichen Verweis auf dieses Werk; die Übereinstimmung ist jedoch nicht auf demselben Niveau belegt wie durch die spätere bebilderte Tafel des Museo Roca. [1] [6] Er sollte weder als erste Ausstellung des Gemäldes bezeichnet noch als vollständige Provenienzkette verwendet werden.

In jüngerer Zeit reproduzierte der ZⓈONAMACO-Gesamtkatalog von 2024 dasselbe Tauben-und-Wassermelonen-Bild auf einer Seite von LS / Galería. [2] Dies liefert einen konkreten späteren Publikationsnachweis und eine neue Beschreibung des materiellen Werks; es sagt nicht, ob die Galerie das Gemälde besaß, ausgeliehen hatte oder verkaufte oder ob sich das Original an einem bestimmten Tag in einem bestimmten Messestand befand. Das INBAL-Programm jenes Jahres erörterte die beiden Farill-Widmungen in einer Ausstellung über Kahlos medizinisches Umfeld, führte dieses originale Stillleben jedoch nicht als ausgestellte Leihgabe auf. [3] [5]

Zusammen belegen diese Unterlagen mehr als eine losgelöste Abbildung und weniger als einen heutigen öffentlichen Standort. Ein namentlich genannter Arzt, zwei bebilderte Katalogveröffentlichungen und ein wahrscheinlicher, nahezu zeitgenössischer Ausstellungseintrag ergeben eine substanzielle Geschichte; originale Familienpapiere, eine technische Dokumentation und eine Akte zum heutigen Eigentümer wären nötig, um jede Etappe zu verbinden. [1] [2] [6] Die Abbildung bleibt eindrucksvoll, ohne fehlende Verbindungen in Gewissheiten umzudeuten.

Diskussion

Erläutern Sie Ihre Sicht anhand der zitierten Belege und Ihrer eigenen genauen Betrachtung. Die folgenden Anregungen sind Ausgangspunkte, keine feststehenden Interpretationen.

Gedanken der Lesenden

Genaues Betrachten

Welche Einzelheiten unterscheiden das Farill-Stillleben vom anderen Viva la Vida der Casa Azul?

Kontext

Wie beeinflussen die Quellen mit den Angaben 1953 und 1954 die Darstellung der Datierung?

Offene Frage

Was belegt die Farill-Sammlungsangabe von 1960, und was bleibt bei Übergabe und heutigem Eigentum ungewiss?

Beteiligen Sie sich am Gespräch

Welche Lesart passt am besten zu den Belegen, und wo bleibt Ungewissheit?

Quellen

  1. Ivanna Margarucci, Frida Kahlo: una vida a través del arte (Museo Roca, 2016), gedruckte Seite 85, bebilderte Einträge und Bildtafeln 201 und 204; Farill-Titel, Datierung 1954, Öl auf Hartfaserplatte, 39 × 65 cm und eigenständige Wassermelonenkomposition der Casa Azul. Quellentext ansehen.
  2. ZⓈONAMACO, Sección General 2024, LS / Galería, gedruckte Seite 195 / PDF-Seite 98, bebilderte Naturaleza muerta “Viva la vida y el doctor Juan Farill”, Öl auf Masonite, 41 × 67 cm. Die Katalogseite nennt weder einen rechtmäßigen Eigentümer noch einen Verkauf. Quellentext ansehen.
  3. Instituto Nacional de Bellas Artes y Literatura, „El Museo Casa Estudio Diego Rivera y Frida Kahlo inaugura Kahlo sin fronteras“, Pressemitteilung 990, 28. Juni 2024, physische Seite 2: Farill, Anatomiebuchwidmung und das auf 1953 datierte Stillleben. Quellentext ansehen.
  4. Museo Frida Kahlo, Sammlungspräsentation und Chronologie zu Viva la Vida, zur Entstehung und späteren Bearbeitung des anderen Casa-Azul-Bildes; kein Eigentumsnachweis für K120. Quellentext ansehen.
  5. Instituto Nacional de Bellas Artes y Literatura, englischsprachiges Programm Kahlo sin fronteras (2024), PDF-Seite 6, mit beiden Farill gewidmeten Werken und der Datierung des Stilllebens auf 1953. Quellentext ansehen.
  6. Justino Fernández, Catálogo de las exposiciones de arte en 1960 (Instituto de Investigaciones Estéticas, UNAM, 1961), gedruckte Seite 54 / PDF-Seite 55, Salón de la Plástica Mexicana, Liste vom 5. September bis 5. Oktober, Kahlo-Nummern 28–29. Nummer 29 trägt einen allgemeinen Titel und ist nur eine wahrscheinliche Entsprechung zu K120. Quellentext ansehen.
  7. Andrea Kettenmann, Frida Kahlo: dolor y pasión, spanische Ausgabe, gedruckte Seiten 80–81 / PDF-Seiten 83–84; genaue Passage zum Farill-Stillleben über wahrscheinliche Datierung, Vogel, Flagge, Tag/Nacht, Schenkungsdarstellung und Vergleich mit dem Friedenskongress. Das vollständige Buch wurde für diese Seite nicht konsultiert. Quellentext ansehen.
  8. Universität La Laguna, La identidad cultural mexicana en la obra de Frida Kahlo, gedruckte Seite 71 und Abbildung 52; Beschriftung mit 1954 und zugeschriebene Deutung als Danksagung, kein Übergabedokument. Quellentext ansehen.
  9. Museo Frida Kahlo, interaktive Frida-Chronologie, ausgewählte Werkdaten für die vergleichende Zeitleiste. Die Datierung des hier behandelten Werkes folgt seinem zitierten Objekteintrag. Quellentext ansehen.