Einleitung
Frida Kahlo malte Lupita Morillo Safa 1944 als Teil einer Gruppe von Porträts, die Lupitas Vater, der Ingenieur und Sammler Eduardo Morillo Safa, in Auftrag gegeben hatte. In diesem hochformatigen Bildnis öffnen sich dunkle Vorhänge um ihr Gesicht; neben dem hochgesteckten Haar sitzt eine helle Blume, und grüne Kleidung hebt sich vor einem warmen rosafarbenen Hintergrund ab. Das Bild zeigt, wie Kahlo innerhalb eines Familienauftrags eine individuelle Präsenz gestaltet, statt jedem Angehörigen denselben Hintergrund zu geben. [1] [2] [3]
Ein bebilderter Katalog bezeichnet das Werk ausdrücklich als Retrato de Lupita Morillo Safa und nennt Lupita als Eduardos Tochter. Diese Identifizierung ist wichtig, weil Kahlo auch andere Mitglieder des Haushalts porträtierte: Dies ist weder das Bild seiner Frau Alicia mit ihrem Sohn Eduardo noch das eigenständige Bildnis seiner Mutter Doña Rosita. [1] [2]
Auf einen Blick
- Werk: Porträt von Lupita Morillo Safa (Retrato de Lupita Morillo Safa), 1944. [1]
- Dargestellte Person: Lupita Morillo Safa, Tochter von Kahlos Auftraggeber Eduardo Morillo Safa. [1] [2]
- Technik: Öl auf Hartfaserplatte, laut dem bebilderten Katalog des Museo Roca. [1]
- Maße: 58,7 × 53,3 cm im Katalog von 2016. [1]
- Sammlungsangabe: In diesem Katalog einer Privatsammlung zugeordnet; ein heutiger Ausstellungsort wird hier nicht nachgewiesen. [1]
Inhalt
- Einleitung
- Lupita im Bildrahmen
- Der Auftrag der Familie Morillo Safa
- Die Wirkung der Vorhänge
- Ein privates Bild in einem größeren Zusammenhang
- Weiterführende Lektüre
Lupita im Bildrahmen
Lupita ist dem Betrachter zugewandt; ihr Kopf und ihre Schultern nehmen einen großen Teil des schmalen Bildfelds ein. Kahlo steckt das dunkle Haar der Dargestellten hoch und setzt daneben eine helle Blume. Ein olivgrünes Tuch oder Kleidungsstück bedeckt ihre Schultern; seine breite Form verankert den unteren Teil der Komposition. [1]
Für die Präsentation des Porträts sind die Vorhänge ebenso wichtig wie die Wand dahinter. Dunkler Stoff hängt oben und an den Seiten herab; geflochtene Schnüre und Quasten halten ihn zurück, sodass Lupita in einer Öffnung erscheint. Der kontrastierende lachsrosa Hintergrund lenkt den Blick auf ihr Gesicht, während die helle Blume die dunkle Haarmasse unterbricht. [1]
Rechts im Hintergrund befindet sich ein kleines, eingefasstes Detail mit rundlichen, fruchtähnlichen Formen. In der verfügbaren Katalogabbildung fügt es dem ansonsten schlichten Hintergrund eine zweite Farbfläche hinzu. Seine genaue Beschaffenheit lässt sich in diesem Maßstab schwer bestimmen: Es könnte ein eigenständiges Bild oder ein dekoratives Element sein. Daher ist es sicherer, das Sichtbare zu beschreiben, als ihm eine eindeutige Identität zuzuschreiben. [1]
Lupitas direkter Blick und ihre gefasste Haltung machen das Bild zu einem sorgfältig präsentierten Porträt, verraten uns aber nicht, was sie während einer Sitzung empfand. Auch belegen die hier verwendeten erhaltenen Unterlagen weder die Art der Blume noch die regionale Herkunft der Kleidung oder einen besonderen Anlass für das Porträt. Diese Einzelheiten lassen sich betrachten und erörtern, ohne sie zu biografischen Tatsachen zu machen. [1]
Videos: Frida Kahlo
Fünf Perspektiven, die Sie hier ergänzend zum Artikel ansehen können.
Frida Kahlos Die zwei Fridas: Great Art Explained
Eine gezielte visuelle Einführung in das Gemälde und seinen Kontext.
Porträt von Lupita Morillo Safa in Kahlos Schaffen
Die zwei Fridas
1939Quelle der Zeitleiste: Chronologie des Museo Frida Kahlo [5].
Der Auftrag der Familie Morillo Safa
Eduardo Morillo Safa war Ingenieur, Diplomat und Sammler und gab bei Kahlo Porträts seiner Familienangehörigen in Auftrag. Ein zweisprachiger Ausstellungstext, der auf dokumentarischem Material des Museo Dolores Olmedo beruht, nennt Lupita unter seinen Kindern; ein späterer Ausstellungskatalog beschreibt die Familienaufträge umfassender. Diese Belege ordnen das Gemälde Kahlos Arbeit für einen Auftraggeber zu: Es steht neben der Geschichte ihrer eigenen Selbstporträts, nicht innerhalb dieser Geschichte. [2] [3]
Der bebilderte Katalog des Museo Roca stellt Lupitas Bildnis neben die Porträts von Doña Rosita, Mariana, Alicia mit dem jüngeren Eduardo und dem älteren Eduardo selbst. Die beiden Eduardos dürfen nicht verwechselt werden: Der Vater gab Porträts in Auftrag; der Junge erscheint auf einem anderen Leinwandbild neben seiner Mutter. Auch Lupita und Mariana haben eigenständige Porträts, obwohl ein kürzerer Ausstellungstext in seiner Zusammenfassung nicht jedes Familienmitglied nennt. [1] [2]
Die Bilder unterscheiden sich in der Darstellung ihrer Modelle. Ein Katalog des Museo Dolores Olmedo beschreibt den Ingenieur vor einem vergleichsweise neutralen Hintergrund und Doña Rosita zwischen Kakteen und blühenden Pflanzen. Lupitas Vorhänge und ihre einzelne Blume bieten eine andere Anordnung: Sie bündeln die Aufmerksamkeit um ein Gesicht, statt es mit derselben Vegetation zu umgeben wie das eines anderen Familienmitglieds. [1] [3]
Diese Unterschiede zeigen Kahlos gestalterische Bandbreite innerhalb eines Porträtauftrags; sie beweisen nicht, dass sie eine feste symbolische Abfolge für die Familie entwarf. Die verfügbaren Quellen liefern weder eine Auftragsrechnung noch die Reihenfolge der Sitzungen oder eine Erklärung der Künstlerin dafür, warum Lupita vor Vorhängen dargestellt wurde. Der visuelle Vergleich ist aufschlussreich, ohne diese fehlenden Unterlagen zu ersetzen. [1] [2] [3]
Die Wirkung der Vorhänge
Kahlo verwendete Vorhänge in mindestens einem weiteren Porträt, ihrem Selbstporträt, Leo Trotzki gewidmet von 1937. Das National Museum of Women in the Arts erörtert die inszenierte Präsentation dieses Selbstporträts, in dem die Künstlerin zwischen zurückgezogenen Vorhängen steht. Lupitas Porträt verwendet ein verwandtes Mittel der Rahmung, doch die beiden Werke zeigen unterschiedliche Personen und entstanden zu unterschiedlichen Zwecken. [4]
Hier schafft die dunkle Öffnung einen engen Bildraum um Lupita. Sie lenkt den Betrachter von den mit Quasten besetzten Rändern zu ihrem Gesicht, ihrer Blume und ihrem grünen Tuch; rund um sie bleibt ein wenig von der warm getönten Wand sichtbar. Das ist eine überzeugende Art, ein Porträt in Szene zu setzen; keine der hier herangezogenen Quellen belegt, dass die Vorhänge die politischen, widmungsbezogenen oder religiösen Bedeutungen trugen, die beim Trotzki-Selbstporträt erörtert werden. [1] [4]
Diese Unterscheidung ist beim Lesen von Kahlos Porträts besonders hilfreich. Ein formales Mittel kann wiederkehren, ohne jedes Mal dieselbe Bedeutung zu behalten, und ein Auftragsbildnis muss nicht als verschlüsseltes Selbstporträt gedeutet werden. Lupitas Identität als Tochter des Auftraggebers ist dokumentiert; die Wirkung der Vorhänge im Bild ist sichtbar; eine Erklärung, die Kahlo selbst dafür gab, ist aus diesen Unterlagen nicht bekannt. [1] [2] [4]
Ein privates Bild in einem größeren Zusammenhang
Der Eintrag des Museo Roca von 2016 verzeichnet Lupitas Porträt als Öl auf Hartfaserplatte mit den Maßen 58,7 × 53,3 cm und kürzt seinen Standort mit Cp. ab, das an anderer Stelle des Katalogs als Privatsammlung definiert wird. Dies ist eine veröffentlichte Angabe zum Gemälde zum Zeitpunkt des Katalogs, keine Zusage, dass es heute besichtigt werden kann. Der Katalog nennt weder einen heutigen Eigentümer noch die vollständige Besitzgeschichte des Porträts. [1]
Eduardo Morillo Safa sammelte zahlreiche Werke von Kahlo, und ein späterer Ausstellungskatalog schildert den Übergang einer Werkgruppe aus seiner Sammlung an Dolores Olmedo nach dem Tod des Sammlers. Es wäre jedoch irreführend, diese Geschichte der Gruppe automatisch auf Lupitas konkretes Porträt zu übertragen: Der Eintrag von 2016 ordnet dieses Gemälde einer Privatsammlung zu, während er einige andere Familienporträts dem Museo Dolores Olmedo zuschreibt. Der Familienauftrag ist sicherer dokumentiert als der spätere Weg dieses einzelnen Werks. [1] [3]
Am unmittelbarsten bleibt das Porträt selbst. Kahlo hält Lupita zwischen den dunklen Vorhängen und dem rosafarbenen Hintergrund und hebt sie durch eine helle Blume, grüne Kleidung und einen gefassten, nach außen gerichteten Blick hervor. Innerhalb eines Auftrags, der mehrere Angehörige umfasst, geben diese Entscheidungen dieser Tochter einen eigenen visuellen Rahmen. [1] [2] [3]
Weiterführende Lektüre
Porträt von Doña Rosita Morillo zeigt die Mutter des Auftraggebers, während das Porträt von Alicia und Eduardo Safa seine Frau und seinen Sohn zusammen darstellt. Kahlos Selbstporträt, Leo Trotzki gewidmet bietet eine eigenständige Verwendung der Rahmung durch Vorhänge. [1] [4]
Diskussion
Begründen Sie Ihre Sicht anhand der angeführten Belege und Ihrer eigenen genauen Betrachtung. Die folgenden Fragen sind Ausgangspunkte, keine feststehenden Deutungen.
Gedanken der Leser
Wie lenken die Vorhänge und die helle Blume die Aufmerksamkeit auf Lupitas Gesicht?
Was unterscheidet Lupitas Umgebung von der Umgebung in den anderen Porträts der Familie Morillo Safa?
Warum belegt die Geschichte einer Familiensammlung nicht die späteren Eigentumsverhältnisse dieses einzelnen Gemäldes?
Beteiligen Sie sich am Gespräch
Welche Deutung passt am besten zu den Belegen, und wo bleibt Unsicherheit?
Quellen
- Ivanna Margarucci, Frida Kahlo: una vida a través del arte (Museo Roca / Historia Visual Argentina, 2016), gedruckte S. 81, bebilderter Eintrag und Abbildung 143, Retrato de Lupita Morillo Safa, mit den benachbarten Familieneinträgen 142–146; S. 85, Abkürzungsverzeichnis, das Cp. als Colección particular definiert. Quellentext ansehen.
- Fundación Casa de México en España, zweisprachiger Ausstellungsaudiotext zu Retrato del Ingeniero Eduardo Morillo Safa, auf Grundlage von dokumentarischem Material des Museo Dolores Olmedo, das Josefina García zusammengestellt hat. Er nennt Lupita innerhalb der Familie des Ingenieurs und beschreibt dessen Porträtaufträge. Quellentext ansehen.
- Fundación Casa de México en España und Museo Dolores Olmedo, Frida Kahlo: alas para volar (2022), gedruckte S. 33–34, zu Eduardo Morillo Safas Familienaufträgen, seiner Sammlung und den unterschiedlichen Umgebungen der Porträts des Ingenieurs und Doña Rositas. Quellentext ansehen.
- National Museum of Women in the Arts, „Between the Curtains: Frida Kahlo’s Self-Portrait“, Onlineausstellung und kuratorischer Kommentar zum Selbstporträt, Leo Trotzki gewidmet (1937). Der Vergleich der Vorhänge ist rein formal; die Deutung dieses Werks wird nicht auf Lupitas Porträt übertragen. Quellentext ansehen.
- Museo Frida Kahlo, interaktive Frida-Chronologie, ausgewählte Werkdaten für die vergleichende Zeitleiste. Die Datierung des hier behandelten Werks folgt seinem zitierten Objekteintrag. Quellentext ansehen.



