
Einführung
Pablo Picassos Gemälde Das blaue Zimmer zeigt eine Frau, die sich in einem bescheidenen Pariser Raum über eine runde Metallwanne beugt. Ein Bett füllt einen großen Teil des Platzes hinter ihr. Ein Fenster, ein gestreifter Sitz, Blumen, Bilder und ein Plakat verteilen sich auf die übrigen Wände und Möbel. Blau ist allgegenwärtig, doch der Raum besteht nicht aus einer einzigen gleichmäßigen Farbe: Gelbe, grüne, weiße und rote Akzente trennen seine Gegenstände voneinander. Das Gemälde ist in Format und Sujet intim und wurde dennoch zu einem der anschaulichsten Zeugnisse für Picassos Richtungswechsel im Jahr 1901.[1][2]
Diese bestimmte Leinwand befindet sich in der Phillips Collection in Washington, D.C., wo sie die Objektnummer 1554 trägt. Das Museum verzeichnet sie als Ölgemälde von 50,48 × 61,60 Zentimetern und erwarb sie 1927. Der Künstler war ein junger Spanier, der in Paris arbeitete, kein französischer Maler mit dauerhaftem Wohnsitz dort. Das Museum verbindet die Szene mit seinem Atelier am Boulevard de Clichy in Montmartre. The Blue Room ist der englische Name eines Werks, das auch La chambre bleue oder Le Tub heißt; diese Titel bezeichnen nicht drei verschiedene Gemälde der Phillips Collection.[1][2][3]
Auf einen Blick
- Datierung: Herbst 1901
- Szene: Eine Frau bei der Körperpflege in einem bescheidenen Pariser Zimmer
- Sammlung: Phillips Collection, Washington, D.C.; Objekt 1554
Das blaue Zimmer in Picassos Laufbahn
Erste Kommunion
1896Das blaue Zimmer
1901Drei Musikanten
1921Las-Meninas-Serie
1957Die Datierung des hervorgehobenen Werks berücksichtigt die Erläuterungen in den Quellen auf dieser Seite. Die anderen Werke sind ausgewählte Vergleichspunkte, nicht Anfang oder Ende eines Stils.
Inhalt
- Ein Zimmer voller sichtbarer Dinge
- Paris 1901 und der Beginn der Blauen Periode
- Toulouse-Lautrecs Plakat und die Blumen
- Das Porträt unter der Oberfläche
- Das Gemälde in der Phillips Collection
Ein Zimmer voller sichtbarer Dinge
Die Badende steht etwas links von der Mitte und kehrt uns teilweise den Rücken zu. Ihr gebeugter Körper bildet eine starke Diagonale über der runden Wanne. Sie führt den Blick durch den kleinen Innenraum, von der hellen Schulter und den Armen zum dunkleren Rand der Wanne. Wir sehen, wie sie sich wäscht oder sich dazu hinabbeugt, aber kein Gesicht, aus dem sich ein bestimmtes Gefühl ablesen ließe. Weder nennt der dokumentierte Objekteintrag die Dargestellte, noch sagt er, dass sie Zufriedenheit, Scham oder Unschuld empfand.[1]
Das Bett ist im Verhältnis zur Figur auffallend groß. Seine hellen Decken greifen weit ins Bild und lassen den Raum auch dort bewohnt erscheinen, wo niemand steht. Ein gestreifter Sitz oder ein Sofa bringt links warme Rot- und Grüntöne ein; Tisch und Blumenstrauß setzen rechts Akzente. Das helle Fenster unterbricht ganz links die Blautöne. Picasso bietet mehrere kleine Blickpunkte, doch die Anordnung bleibt eng: Kein offener Gang führt weit über das Bett hinaus. Die Verdichtung des Raumes ist sichtbar; ob sie heimelig oder beengend wirkt, ist eine Frage der persönlichen Reaktion.[1][2]
Die Frau ist nicht bloß eine helle Form vor dunklem Hintergrund. Blautöne erscheinen in den Wänden, den Schatten des Bettes, den Möbeln und der Wanne und wechseln in Ton und Intensität. Haut und Bettwäsche bilden hellere Partien; kräftigere Konturen und rote Einzelheiten halten manche Dinge auseinander. Der Titel weist auf die Farbe hin, doch sie wirkt durch Kontraste. Wer nur nach der „Stimmung der Blauen Periode“ sucht, übersieht leicht, wie bewusst Picasso die Oberflächen eines wirklichen Zimmers unterscheidet.[1][2]
Kleine Bilder innerhalb des Gemäldes geben ihm ein zweites Thema: die Kunst, mit der ein Künstler leben möchte. An der Wand über dem Bett hängt eine Version von Henri de Toulouse-Lautrecs Plakat May Milton aus dem Jahr 1895, das die irische Tänzerin zeigt. Es ist kein Porträt der badenden Frau. Die Phillips Collection und die Art Gallery of Ontario erkennen darin Picassos Bezug auf einen von ihm bewunderten französischen Künstler. Lautrec starb im September 1901, kurz bevor Picasso diese Leinwand schuf; der Ausstellungstext versteht ihre Aufnahme als Hommage.[1][2]
Ein weiteres kleines Wandbild ähnelt einer Meereslandschaft. Die technische Untersuchung hält es möglicherweise für eines von Picassos eigenen Bildern; „möglicherweise“ ist wichtig, denn die Identifizierung beruht auf einem Vergleich, nicht auf einer lesbaren Signatur oder Inventarnummer in dieser Leinwand. Der Strauß auf dem Beistelltisch erinnert an die Blumenstillleben, die er früher im Jahr 1901 in der Galerie Vollard zeigte. So lässt sich der Raum als Arbeitsumgebung eines Künstlers lesen, in der die Kunst eines Vorgängers und seine eigenen Versuche präsent sind. Sein Inhalt hilft, eine sich wandelnde Praxis zeitlich einzuordnen, ohne jedes winzige Bild einem erhaltenen Original zuweisen zu müssen.[2][4]
Das Gemälde ist etwas breiter als hoch und klein genug, um eher einen Einblick in ein Zimmer als eine große öffentliche Szene zu bieten. Reproduktionen vergrößern es oft, bis die Badende monumental erscheint. Die tatsächlichen Maße stellen ein wichtiges Verhältnis zwischen Betrachter und Objekt wieder her: Eine vergleichsweise kompakte Leinwand enthält Bett, Badende, Fenster, Bilder und Blumen. Picasso hat sehr viel Geschehen in dieses Format gepackt. Das Material ist Öl auf Leinwand, weder Aquarell noch Druckgrafik, und die späteren technischen Erkenntnisse betreffen Schichten auf genau diesem physischen Bildträger.[1][4]
Paris 1901 und der Beginn der Blauen Periode
Picasso besuchte Paris erstmals 1900 und kehrte anschließend nach Spanien zurück. Das Museu Picasso in Barcelona verzeichnet eine weitere Parisreise im Juni 1901 und eine gemeinsame Ausstellung mit Francisco Iturrino in der Galerie Vollard vom 25. Juni bis zum 14. Juli. Den Beginn der Blauen Periode setzt es in den Herbst. Das blaue Zimmer gehört in diesen entscheidenden späteren Teil des Jahres, nach seinen helleren und rascher wechselnden frühen Pariser Motiven. Es einfach als reifes Beispiel einer bereits abgeschlossenen Blauen Periode zu beschreiben, würde den im Gemälde sichtbaren Wandel verdecken.[1][2][3]
Die Phillips Collection nennt es eines der frühesten Werke der Blauen Periode. Die gemeinsame Ausstellung der Art Gallery of Ontario und der Phillips Collection setzte seine Entstehung etwa um Picassos zwanzigsten Geburtstag im Oktober 1901 an. Diese begründete zeitliche Einordnung stützt sich auf die Wege des Künstlers, verwandte Bilder und den Bezug auf May Milton; eine Inschrift mit Tag und Monat auf der Leinwand nennt das Museum nicht. „Herbst 1901“ gibt die Belege genauer wieder als ein fälschlich präzises Datum.[1][2]
Das Pariser Atelier von 1901 war kein isolierter Ausgangspunkt. Barcelona und Madrid hatten zu Picassos Ausbildung und Arbeit gehört, und in dieser Phase bewegte er sich zwischen Spanien und Frankreich. Die Zeitleiste des Museums in Barcelona ist hier besonders nützlich: Sie verhindert die falsche Vorstellung, er habe bis 1900 ununterbrochen in Paris gelebt. Paris bot ihm neue Eindrücke, künstlerische Begegnungen und Ausstellungsmöglichkeiten; es löschte den spanischen und katalanischen Hintergrund, aus dem er kam, nicht aus.[3]
Der Tod seines Freundes Carles Casagemas im Februar 1901 gehört zur Geschichte dieses Jahres und zu den Bildern, die Picasso als Reaktion darauf malte. Das blaue Zimmer zeigt jedoch weder Casagemas noch dessen Tod noch eine eindeutig erkennbare Trauerhandlung. Der Wandel hin zu Blau umfasste künstlerische Vorbilder, Themen, Materialien und Lebensumstände ebenso wie persönliche Erfahrungen. Auch die Betrachtung der Blauen und Rosa Periode als zusammenhängende Entwicklung durch das Musée d’Orsay mahnt, nicht ein einziges Ereignis zur Erklärung jedes Werks innerhalb von drei Jahren zu machen.[2][3][5]
In diesem Gemälde bestehen die blaue Palette, die Bezüge auf Toulouse-Lautrec und die Blumen, die an Picassos eigene Vollard-Ausstellung erinnern, nebeneinander. Die Art Gallery of Ontario bezeichnet es als Übergangswerk. Das ist genauer als die Behauptung, Picasso habe seine früheren Interessen plötzlich aufgegeben. Ein Maler kann eine neue vorherrschende Farbe entwickeln und zugleich Plakate, Cafébilder, Stillleben und Innenräume aus jüngsten Arbeiten in die neue Leinwand mitnehmen. Der sichtbare Raum zeigt diese sich überschneidenden Interessen.[2]
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Auf YouTube ansehenToulouse-Lautrecs Plakat und die Blumen
Das Plakat May Milton ist besonders aufschlussreich, weil es trotz seines winzigen Maßstabs an der Wand wiedererkennbar bleibt. Toulouse-Lautrec hatte es 1895 geschaffen. Picassos Version übernimmt seine Figur sowie blaue, gelbe und weiße Akzente und lässt so die grafische Sprache eines anderen Künstlers in seiner neuen Anordnung Platz finden. Das Plakat belegt nicht bloß vage „Einflüsse“. Es zeigt Picasso, der ein bekanntes Bild in eine Atelierszene einfügt, während er auslotet, was für ein Künstler er werden könnte.[1][2]
Die Ausstellung der AGO und der Phillips Collection 2021–22 deutete sein Auftreten als Ehrung Lautrecs nach dessen Tod am 9. September 1901. Das ist eine durch die Chronologie gestützte, plausible kuratorische Lesart, keine von Picasso auf die Leinwand geschriebene Widmung. Ebenso sollte man Behauptungen unterscheiden, der Raum sei ein Manifest künstlerischer Nachfolge. Wir können das Plakat sehen und Farben und Motiv vergleichen; für eine Aussage über einen bestimmten privaten Beweggrund wären andere Belege nötig.[2]
Der Blumenstrauß wirkt auf andere Weise. Er ist ein kleines Objekt im gemalten Raum und ähnelt zugleich den Blumenstillleben, die Picasso für die Vollard-Ausstellung schuf. Der Ausstellungstext weist ausdrücklich auf diese Beziehung hin. Eine Vase kann somit eine Verbindung zwischen einer gelebten Umgebung und Picassos jüngerer kommerzieller und künstlerischer Arbeit herstellen. Man muss den Strauß nicht zum verschlüsselten Symbol von Optimismus erklären, um zu sehen, dass er das umgebende Blau unterbricht und diesen Innenraum mit anderen Gemälden verbindet.[2]
Die Bilder an der Wand und die Blumen verhindern gemeinsam, dass Das blaue Zimmer zu einer allgemeinen Szene von Armut oder Traurigkeit wird. Bett und Wanne deuten auf alltäglichen Gebrauch, Plakat und Bilder auf Aufmerksamkeit für Bildwelten und Kunstgeschichte. Das beweist nicht, dass die Komposition eine genaue topografische Bestandsaufnahme des Ateliers an einem bestimmten Morgen ist. Picasso konnte einen vertrauten Ort beobachten und dessen Inhalt neu ordnen. Die Identifizierung des Ateliers durch das Museum verankert die Szene, während die Anordnung auf der Leinwand eine künstlerische Konstruktion bleibt.[1][2]
Das Porträt unter der Oberfläche
Die sichtbare Badeszene wurde über ein älteres Porträt eines Mannes gemalt. Das ist kein zweites Bild, das hinter der Leinwand montiert wäre, sondern eine Komposition unter der heute sichtbaren Ölfarbe auf demselben Bildträger. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn die Geschichte wird oft als plötzliche Entdeckung durch eine Röntgenaufnahme im Jahr 2014 erzählt. Tatsächlich bemerkte laut der Ausstellung von AGO und Phillips Collection eine Restauratorin schon 1954 Anzeichen für zwei Kompositionen. Spätere Röntgenaufnahmen bestätigten Spuren unter der Oberfläche. Neuere Infrarot- und andere Untersuchungen machten das Bild des Mannes wesentlich deutlicher.[2][4][6]
Die Phillips-Restauratorin Patricia Favero begann 2007 eine kontinuierliche Untersuchung, die auf früheren Analysen aufbaute. Forschende der National Gallery of Art, von Winterthur und Cornell brachten unterschiedliche Methoden an die Leinwand heran; die Phillips Collection machte das klarere Bild 2014 öffentlich, und 2017 erschien eine ausführliche technische Studie. Diese Daten beziehen sich jeweils auf Beobachtung, Untersuchung, öffentliche Vorstellung und Veröffentlichung. Sie dürfen nicht zu der Behauptung verkürzt werden, vor 2014 habe niemand von einem darunterliegenden Bild gewusst.[4][6]
Gefilterte Infrarotreflektografie zeigt einen Mann in förmlicher Kleidung, der an einem Kissen oder einer Sitzbank lehnt und den Kopf auf die rechte Hand stützt. An den Fingern trägt er Ringe. Die technische Studie beschreibt ein dunkles Jackett, eine weiße Fliege und eine rote Blume vorn auf einem weißen Hemd. Solche Details wurden durch kombinierte Bildgebungsverfahren und Untersuchung der Farbschichten gewonnen, nicht durch das Entfernen der Badeszene. Der Mann ist nicht identifiziert. Vermutungen, es müsse Ambroise Vollard oder eine andere namentlich bekannte Person sein, sind Hypothesen und keine gesicherten Katalogangaben.[2][4]
Verschiedene Verfahren beantworten verschiedene Fragen. Röntgenaufnahmen ließen eine schemenhafte zweite Komposition erkennen. Ausgewählte Infrarotwellenlängen lieferten ein lesbareres Porträt unter dem oberflächlichen Blau; Spektroskopie und Röntgenfluoreszenz-Kartierung halfen den Forschenden, die Lage und Mischung von Pigmenten zu unterscheiden. Kleine Farbproben klärten die Schichtung. Es wäre daher irreführend zu sagen, „ein Röntgenbild zeigte alles“, oder sich vorzustellen, moderne Technik habe ein vollkommenes verborgenes Bild in den ursprünglichen Farben zurückgewonnen. Die Forschenden erklären selbst, dass keine einzelne Methode es vollständig rekonstruieren kann.[2][4]
Die materiellen Befunde stützen jedoch eine genauere Darstellung der Wiederverwendung der Leinwand. Das frühere Porträt scheint fertig und trocken gewesen zu sein, als Picasso Das blaue Zimmer unmittelbar darüber malte. Die Studie fand zwischen den beiden Kompositionen weder eine gesonderte Grundierung noch eine Schmutzschicht; auch eng verwandte Pigmentmischungen und Füllstoffe wurden in beiden festgestellt. Das stärkt die Zuschreibung des unteren Bildes an Picasso und deutet darauf hin, dass beide innerhalb weniger Monate entstanden. Warum er sich entschied, den Mann zu übermalen, sagt es nicht.[4]
Leinwand war für einen jungen Künstler ein wertvolles Material, und Sparsamkeit könnte eine Rolle gespielt haben. Der Objekteintrag der Phillips Collection erwähnt, dass Picasso aus Geldmangel Leinwände wiederverwendete. Weil jedoch kein Brief oder Bericht über genau diese Entscheidung vorliegt, sollten wir weder behaupten, er habe das Porträt bestimmt nicht gemocht, noch, er habe es ausschließlich übermalt, weil er sich keine neue Leinwand leisten konnte. Ein fertiges Bild konnte aus mehreren Gründen übermalt werden. Die materiellen Tatsachen belegen die Reihenfolge; das Motiv bleibt offen.[1][4]
Das untere Bild erschwert auch die einfache Erzählung, der farbenfrohe frühe Picasso habe an einem Tag geendet und am nächsten habe die melancholische Blaue Periode begonnen. Der förmlich gekleidete Pariser Porträtierte und die Farben verbinden sich mit Picassos Arbeiten des Sommers 1901; die Badende und der blaue Innenraum an der Oberfläche weisen in eine andere Richtung. Beide Schichten liegen auf einem Bildträger und entstanden wohl in kurzer Zeit. Die Leinwand ist somit Zeugnis eines Künstlers, der Möglichkeiten erprobte, statt einer sauberen Illustration zweier völlig getrennter Phasen.[2][4]
Das Gemälde in der Phillips Collection
Die Phillips Collection verzeichnet den Erwerb des Gemäldes Das blaue Zimmer im Jahr 1927 und bezeichnet es als das erste Werk Picassos in ihrer Sammlung. Duncan Phillips schätzte die Farbe und emotionale Kraft von Picassos früher Malerei. Diese Museumsgeschichte erklärt, weshalb das Werk eng mit dem Washingtoner Haus verbunden ist. Sie liefert keine lückenlose Besitzerfolge bis zu Picasso zurück; eine solche darf nicht allein aus dem Erwerbsjahr erfunden werden.[1]
Die Leinwand zeigt auch, warum eine Werkseite sowohl genaues Hinschauen als auch Restaurierungsforschung braucht. Ohne den Objekteintrag könnte man das Plakat falsch identifizieren oder eine Plakatreproduktion für das ursprüngliche Gemälde halten. Ohne die technische Arbeit wird die Geschichte einer verborgenen Figur zu einer Schlagzeile, die Jahrzehnte Forschung ausblendet. Ohne das sichtbare Gemälde kann das verborgene Porträt die ganze Aufmerksamkeit beanspruchen, als sei die Badeszene nur eine Abdeckung. Sie ist aber die Komposition, die Picasso zu zeigen entschied, und verdient eigenständige Betrachtung.[1][2][4]
Am besten versteht man Das blaue Zimmer, wenn man diese Ebenen zusammenhält: einen Pariser Innenraum von 1901, eine sorgfältig angeordnete Badende und Atelierszene, die sichtbare Auseinandersetzung mit Toulouse-Lautrec und Picassos jüngsten Blumenbildern sowie ein materiell nachgewiesenes älteres Porträt darunter. Identität und Gefühle der Badenden sind unbekannt, ebenso der Name des verborgenen Mannes und Picassos genauer Grund für die Wiederverwendung der Leinwand. Der Objekteintrag der Phillips Collection[1] sichert die Identität des Gemäldes; die Ausstellung von AGO und Phillips Collection und die Restaurierungsstudie erklären, was sich aus den beiden Malschichten lernen lässt – und was nicht.[1][2][4]
Diskussion
Nutzen Sie die Belege und Ihre eigene genaue Betrachtung, um Ihre Sicht zu erläutern. Dies sind redaktionelle Anregungen, keine Leserkommentare.
Anregungen zum Nachdenken
Wie ordnen Bett, Badende und kleine Bilder den Raum des Zimmers?
Welche Untersuchungen machten das Porträt unter der Badeszene sichtbar, und was zeigen sie nicht?
Warum ist „Herbst 1901“ verlässlicher als ein erfundenes genaues Datum?
Beteiligen Sie sich am Gespräch
Welche Deutung passt am besten zu den Belegen?
Quellen
- Phillips Collection, Das blaue Zimmer, Objekt 1554.
- Art Gallery of Ontario und Phillips Collection, Ausstellungstext Picasso: Painting the Blue Period (PDF-Links ausgelassen) ; Französische Ausgabe (PDF-Link ausgelassen).
- Museu Picasso Barcelona, Picasso-Chronologie, auf Spanisch.
- Patricia A. Favero und Mitautoren, technische Studie zu Das blaue Zimmer, Heritage Science 5:13 (2017).
- Musée d’Orsay, Picasso Bleu et Rose, auf Französisch.
- Phillips Collection, Forschungsbericht von 2014 ; Pressemitteilung zur institutionsübergreifenden Studie.
Bildnachweis
- Kurt Kaiser. CC0. Quelle: Wikimedia Commons. Auf 1.024 px verkleinert, nicht beschnitten. Quelldatensatz. Lizenz.



