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Tom Gurney BSc (Hons) beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Kunstgeschichte

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Historische Mandoline im Metropolitan Museum of Art; nicht das von Picasso gemalte Instrument.
Historische Mandoline aus dem Metropolitan Museum of Art. Sie zeigt ein Vergleichsinstrument, nicht die Mandoline in Picassos Gemälde. Bildnachweis.

Einleitung

Auf den ersten Blick scheint Mädchen mit Mandoline eine Frau und ein Instrument zu zeigen, doch wenig festen Raum um sie herum. Der Kopf neigt sich über ineinandergreifenden Flächen in Creme, Grau und Ocker; die Mandoline gibt dem Blick zwischen scharfen Kanten eine vertraute Rundung. Pablo Picasso malte das Bild im späten Frühjahr 1910 in Paris. Modell war Fanny Tellier, eine Sängerin und Schauspielerin, die in jenem Frühjahr mehrmals für ihn saß. Picasso verwarf sie nicht als Sujet. An einer wirklichen Person und einem wirklichen Instrument erprobte er, wie weit sich eine gemalte Figur aufgliedern ließ und dennoch erkennbar blieb.[1]

Die Leinwand gehört dem Museum of Modern Art in New York. Das MoMA führt sie als Girl with a Mandolin (Fanny Tellier), verzeichnet Öl auf Leinwand, 100,3 mal 73,6 Zentimeter, und vergibt die Inventarnummer 966.1979. Diese Angaben sind besonders nützlich, weil mehrere kubistische Gemälde um 1910 eine Frau mit Mandoline zeigen. Diese Seite behandelt das rechteckige, in Paris entstandene Bild des MoMA, nicht Picassos späteres, schwerer lesbares Frau mit Mandoline aus dem Umfeld von Cadaqués und auch nicht ein ähnlich betiteltes Werk von Georges Braque.[1][4][5]

Auf einen Blick

  • Entstehung: Paris, spätes Frühjahr 1910
  • Modell: Fanny Tellier, Sängerin und Schauspielerin
  • Bildliche Frage: Figur und Instrument zwischen wechselnden kubistischen Flächen erkennen

Mädchen mit Mandoline in Picassos Laufbahn

Ausgewählte Werke
18901910193019501960

Las-Meninas-Serie

1957

Die Datierung des hervorgehobenen Werks berücksichtigt die Erläuterungen in den Quellen auf dieser Seite. Die anderen Werke sind ausgewählte Vergleichspunkte, nicht Anfang oder Ende eines Stils.

Inhalt

  1. Frau und Instrument finden
  2. Wer war Fanny Tellier?
  3. Ein frühes Bild des analytischen Kubismus
  4. Das Pariser Bild ist nicht das Bild aus Cadaqués
  5. Besitz- und spätere Werkgeschichte
  6. Genau hinsehen, ohne Formel

Frau und Instrument finden

Der Titel sagt, wonach man suchen soll, doch das Bild bietet keine herkömmliche Ähnlichkeit, die dies sofort bestätigt. Das MoMA beschreibt Telliers Gesicht als beigefarbenes Rechteck mit kaum angedeuteter Nase oder Mund. Ein Auge wird zu einer fächerartigen Form, die parallele Linien teilen. Haar und Kopf helfen noch, eine Person zu verorten; der übrige Körper ist aus Flächen zusammengesetzt, deren Richtung und Helligkeit wechseln. Statt einer einzigen geschlossenen Kontur um das Modell müssen Betrachtende Hinweise aus benachbarten Teilen zusammenfügen.[1]

Die Mandoline ist ein zweiter Anker. Ihrem gerundeten Korpus und langen Hals kann man durch das Bild folgen, obwohl sie mit der Geometrie von Figur und Umraum verschmelzen. Von dort aus zeigt sich allmählich eine mögliche Beziehung zwischen Händen, Rumpf und Instrument. Das ist kein Rätsel mit nur einer verborgenen Lösung; die Figur lässt sich finden, ohne jede Fläche einem Körperteil zuzuordnen. Picasso macht das Erkennen teilweise und aktiv. Der Blick wechselt wiederholt von einem lesbaren Gegenstand zu einem Farbabschnitt, der sich nicht benennen lässt.[1]

Die gedämpften Farben sind für diesen Effekt zentral. Das MoMA nennt neutrale Grau-, Creme- und Ockertöne. Die begrenzte Palette verhindert, dass ein leuchtendes Kleid oder eine klare Hintergrundfarbe das Modell von seiner Umgebung trennt. Helle und dunkle Kanten übernehmen, was sonst stärkere Farbkontraste leisten könnten. Manche Flächen scheinen vorzuragen, andere zurückzufallen; Übergänge lenken den Blick zwischen Figur und Umgebung. Das Gemälde beseitigt Tiefe nicht, weigert sich aber, jeden Teil als herkömmlichen Raum von einem festen Standort aus zu ordnen.[1][2]

Man könnte sagen, Picasso zeige Tellier einfach gleichzeitig aus vielen Blickwinkeln. Als erster Zugang zum Kubismus ist das nützlich; als Tatsachenbericht darüber, wie oft das Modell seine Position wechselte, oder als Schema des Arbeitsprozesses nicht. Das Museum belegt mehrere Sitzungen Telliers im Frühjahr 1910, nicht eine Abfolge von Ansichten für jede Facette. Im Bild ist unmittelbarer zu sehen, dass Kopf, Körper und Instrument auf einer Leinwand verflacht, versetzt und neu verbunden wurden. Es fragt, wie ein Modell gegenwärtig bleibt, wenn die gewöhnlichen Porträthinweise reduziert werden.[1][2]

Wer war Fanny Tellier?

Das MoMA bezeichnet Tellier als bekannte Sängerin und Schauspielerin. Das ist ein besserer Ausgangspunkt als das allgemeine „Mädchen“ im englischen Titel. Eine namentlich bekannte Frau saß Picasso Modell, während er Möglichkeiten der Darstellung erprobte. Der kurze Museumstext enthält jedoch weder eine vollständige Laufbahn noch die genaue Zahl der Sitzungen, Telliers eigene Reaktion auf das Bild oder ein Protokoll der Ateliergespräche. Solche Angaben zu erfinden würde das Gemälde biografischer wirken lassen, aber unser Verständnis der Frau ungenauer machen.[1]

Ihr Name bedeutet ebenso wenig, dass die Leinwand wie ein herkömmliches Porträt funktioniert. Das Gesicht ist beinahe auf ein Zeichen reduziert; die Mandoline ist leichter zu erkennen als viele anatomische Merkmale. Laut MoMA verwandelte Picasso Telliers körperliche Eigenschaften in geometrische Flächen. Die Verwandlung ist wichtig, darf sie aber nicht aus der Werkgeschichte entfernen. Ein Mensch saß Modell. Picasso behielt das Instrument und genug vom Körper, um ein menschliches Sujet lesbar zu halten, während er unterscheidende Gesichtszüge kaum nutzte, die ein Auftragsporträt bewahren könnte.[1]

Der Titel trägt somit zwei Arten von Information. „Mädchen mit Mandoline“ bietet ein Motiv, mit dem sich die Figur finden lässt; „Fanny Tellier“ nennt ein Modell, dessen Anwesenheit das gemalte Gesicht allein kaum verriete. Ein Museumsdatensatz kann diese Identität wiederherstellen, ohne zu behaupten, wie Tellier über das Ergebnis dachte. Die Lücke zwischen bekanntem Modell und schwer greifbarer Ähnlichkeit ist eine der spannendsten Eigenschaften des Werks. Kubismus zeigt sich hier nicht als Abwesenheit der Welt, sondern als neue, gelegentlich schwierige Weise, auf sie zu verweisen.[1]

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Ein frühes Bild des analytischen Kubismus

Das MoMA nennt Mädchen mit Mandoline ein frühes Beispiel des analytischen Kubismus. Die Bezeichnung meint eine Phase, in der Picasso und Georges Braque zunehmend untersuchten, wie Gegenstände und Figuren durch ineinandergreifende Flächen, zurückhaltende Farben und ein instabiles Verhältnis von Oberfläche und Tiefe darstellbar sind. Das Picasso-Museum in Paris beschreibt die Entwicklung als Zusammenarbeit, nicht als alleinige Erfindung Picassos. Es warnt auch davor, „analytischen Kubismus“ als auf jede Leinwand gleich angewandtes Rezept zu sehen: Von ungefähr 1909 bis 1912 veränderte sich die Distanz zwischen dargestelltem Gegenstand und seinen gemalten Zeichen erheblich.[1][2]

In Telliers Bild bleiben erkennbare Elemente wichtig. Die Rundung der Mandoline bietet einen Einstieg, Teile von Kopf und Oberkörper bestehen fort. Das Gefüge der Flächen ist jedoch stark genug, um Frau und Umgebung einander anzunähern. Diese Spannung belebt das Werk: Picasso lässt die Betrachtenden einen Körper finden und macht es zugleich schwer, ihn zusammenzuhalten. Das Bild ist weder eine klare naturalistische Studie mit darübergelegter Ziergeometrie noch ein völlig gegenstandsloses Arrangement.[1]

Ein Vergleich mit Picassos Frau im Sessel, einem anderen Bild von 1910 im Centre Pompidou, hilft, die Fragestellung zu verorten. Der französische Katalog des Pompidou beschreibt eine in graue Facetten zerlegte Figur, die noch vor einem relativ unterscheidbaren Hintergrund hervortritt. Kuratorin Isabelle Monod-Fontaine bemerkt, dass später im folgenden Sommer die Grenze zwischen Figur und Grund noch weiter nachzulassen scheint. Die Frau im Sessel ist nicht Tellier und sollte weder Titel noch Modell des MoMA-Bildes erhalten. Sie zeigt vielmehr, wie verschieden Picasso 1910 Menschen malte: Einzelne Werke hielten die Figur in unterschiedlichem Maß erkennbar.[3]

Auch die Beziehung zu Braque ist wichtig. Das Museo Nacional Thyssen-Bornemisza besitzt Braques Frau mit Mandoline vom Frühjahr 1910. Sein Sammlungstext stellt es neben andere rechteckige und ovale Mandolinenfiguren, darunter Picassos Leinwand mit Fanny Tellier. Ähnliche Motive und nahe Entstehungszeiten machen die Werke zu einem guten Vergleich ihrer gemeinsamen Untersuchung. Sie beweisen keine einfache Kette, in der ein Bild das andere kopierte. Picasso und Braque stellten verwandte Fragen zu Figur, Instrument und Bildaufbau, schufen aber unterschiedliche Werke mit eigenen Formaten und Besitzgeschichten.[4]

Das Thyssen-Bornemisza-Museum geht für einen möglichen künstlerischen Kontext weiter zurück. Es verbindet Braques Rückkehr zur Figur mit Instrument mit Bildern Camille Corots im Salon d’Automne von 1909 und betont, dass solche Motive für beide Maler wichtig waren. Das bedeutet nicht, Telliers Bild kopiere ein bestimmtes Corot-Gemälde. Eine sitzende Musikerfigur war schon vor dem Kubismus ein bekanntes Sujet; sie gab dem Publikum etwas Wiedererkennbares, während die Künstler die Darstellung von Körpern und Raum veränderten. Eine neue Bildmethode brauchte keinen völlig neuen Gegenstand im Zimmer.[4]

Bei Braque betont das Museum sein Interesse an Musik ebenso wie an Malerei. Diese biografische Tatsache gehört zu Braque, nicht automatisch zu Picasso oder Tellier. Sie erklärt, warum ein Instrument für die gemeinsame Untersuchung reizvoll sein konnte, verrät aber nicht, ob Tellier tatsächlich Mandoline spielte oder Picasso ein bestimmtes Musikstück im Sinn hatte. Im MoMA-Bild lässt sich die bildliche Funktion des Instruments ohne erfundenen Klang beschreiben: Es liefert einen vertrauten Umriss und eine Blickrichtung.[1][4]

Das Instrument ist mehr als ein Erkennungsmerkmal. Eine Mandoline hat einen erkennbaren Korpus, Hals und Saiten; sie kann zu Kurven und Linien vereinfacht werden, ohne völlig namenlos zu werden. Sie gibt der menschlichen Figur auch eine Tätigkeit und Haltung. In einem Bild, das gewöhnliche Anatomie auflockert, bindet das Instrument es an eine Begegnung zwischen Körper und Gegenstand. Das ist eine Deutung der Leinwand, kein Beweis für eine bestimmte Melodie, Telliers Spiel während der Sitzungen oder musikalische Symbolik in jeder Fläche.[1][4]

Die wirkliche Leinwand widerspricht auch dem irreführenden Vergleich mit einer Zeichenübung. Das MoMA-Werk ist mit gut einem Meter Höhe ein beachtliches Ölgemälde, kein rasches Schema im Skizzenbuch. Picasso überführte die instabile Figur in Malerei auf einer Größe, bei der das cremefarbene Gesicht, breite dunkle Partien und das gebogene Instrument das ganze Blickfeld ordnen. Eine Bildschirmreproduktion zeigt den Gesamtaufbau, ebnet jedoch den Unterschied zwischen einem kleinen Zeichen für ein Auge und einer großen hellen Farbfläche ein. Die Maße des Museums verankern eine Erfahrung des Sehens, die sonst leicht zur kubistischen Parole verflacht.[1]

Das Pariser Bild ist nicht das Bild aus Cadaqués

Die fast gleichen Titel laden zu einem sachlichen Fehler ein. Das MoMA datiert sein Girl with a Mandolin (Fanny Tellier) auf Paris, spätes Frühjahr 1910. In einem getrennten kuratorischen Audiobeitrag behandelt es ein anderes Picasso-Gemälde mit dem Titel Frau mit Mandoline, das heute mit dem Museum Ludwig in Köln verbunden ist, im Zusammenhang mit Cadaqués, Sommer 1910. Dieses spätere Werk nähert sich der Abstraktion stärker; seine Figur ist laut den Kuratoren bis auf ein geschwungenes Zeichen der Mandoline kaum erkennbar. Der Beitrag handelt von einer anderen Leinwand, nicht von einer späteren Stufe des MoMA-Bildes mit verändertem Entstehungsort.[1][5]

Der Unterschied prägt die Betrachtung. Im New Yorker Werk kann das MoMA Tellier noch identifizieren und Einzelheiten wie das gegliederte Auge beschreiben. Im Kölner Bild gehört das beinahe vollständige Verschwinden einer lesbaren Frau zum Argument der Kuratoren. Wer die Beschreibung aus Cadaqués auf die Pariser Leinwand überträgt, macht das frühere Werk abstrakter und tilgt die belegte Rolle des Modells. Getrennte Daten und Sammlungen erlauben die interessantere Darstellung: Picasso bewegte sich nicht auf einer vollkommen geraden Linie von Figur zu Abstraktion. In benachbarten Werken variierte er das Verhältnis zwischen erkennbarem Sujet und Bildstruktur.[1][5]

Der zeitliche Vergleich hat eine Grenze. „Spätes Frühjahr“ und „Sommer“ belegen nach den Museumsdatierungen, dass das benannte Pariser Bild dem Werk aus Cadaqués vorausgeht. Sie verraten weder den genauen Tag des Beginns oder Abschlusses einer der Leinwände noch beweisen sie, dass eine als absichtliche Korrektur der anderen gedacht war. Vergleichen lassen sich die publizierten Belege: zwei Orte, zwei Sammlungen und ein deutlicher Unterschied, wie sicher eine Figur anhand der Malfläche zu benennen ist. Das genügt, um die häufige Titelverwechslung zu korrigieren, ohne ein Ateliertagebuch zu erfinden.[1][5]

Die Titelverwirrung reicht über diese zwei Bilder hinaus. Braque malte 1910 eine Frau mit Mandoline, und der Thyssen-Bornemisza-Text nennt auch ein ovales Picasso-Bild mit Frau und Mandoline aus derselben Zeit. Ein Suchtreffer für „Picasso Mandoline Frau 1910“ reicht folglich nicht aus, um Objekt, Entstehungsort oder besitzende Sammlung zu bestimmen. Museum, Datum, Format und Inventarnummer sind hier notwendig, keine pedantischen Extras.[1][4][5]

Besitz- und spätere Werkgeschichte

Das Provenienzprojekt des MoMA verfolgt das Bild von Picasso zu Wilhelm Uhde, Sammler und Händler in Paris, spätestens 1910. Seine Sammlung und sein Galeriebestand wurden im Ersten Weltkrieg von der französischen Regierung als Feindvermögen beschlagnahmt; das Werk erschien am 30. Mai 1921 in einer Auktion im Hôtel Drouot. Derselbe Museumseintrag nennt in der folgenden Besitzerkette Christian Tetzen-Lund, Paul Rosenberg, André Breton, René Gaffé, Roland Penrose und Nelson A. Rockefeller, wobei manche Geschäfte oder Zeiträume weiter mit Vorbehalten versehen sind. Rockefeller vermachte die Leinwand 1979 dem MoMA.[1]

Diese Geschichte muss sorgfältig erzählt werden. Die Beschlagnahmung im MoMA-Eintrag betrifft den Ersten Weltkrieg und Uhdes Stellung als deutscher Eigentümer in Frankreich; sie belegt nicht, dass die Nationalsozialisten das Bild im Zweiten Weltkrieg raubten. Eine Kette benannter Besitzer klärt ebenso wenig die Umstände jedes Übergangs. Das MoMA nennt seine Provenienzforschung selbst laufende Arbeit und kennzeichnet einzelne Schritte als unsicher. Die Unterlagen geben einen starken Umriss der Wege des Bildes, lassen aber Raum für weitere Präzisierung durch die Sammlung.[1]

Auch die späteren Museumsausstellungen verändern die Begegnung mit dem Gemälde. Der MoMA-Eintrag nennt Ausstellungen und Fotos von Hängungen, darunter moderne Präsentationen neben anderen kubistischen Werken. Solche Umgebungen können die Leinwand wie einen Meilenstein aus dem Lehrbuch erscheinen lassen. Zuerst war sie jedoch ein Experiment mit einem Modell in Paris; spätere Einordnung und Präsentation sind Teil ihrer Rezeption. Beides zu kennen hilft, damit die formale Etikette „analytischer Kubismus“ die konkrete Frau, das Instrument und das Objekt nicht verschluckt.[1][2]

Genau hinsehen, ohne Formel

Man muss nicht jede Facette entschlüsseln, um zu verstehen, warum Mädchen mit Mandoline bedeutsam ist. Beginnen Sie beim Instrument und verfolgen Sie die größeren Rundungen. Finden Sie den Kopf und beachten Sie, wie wenig von den üblichen Informationen eines Porträts übrig ist. Sehen Sie, wie Grau und Ocker Flächen verbinden, die zu verschiedenen Teilen von Figur und Raum zu gehören scheinen. Der Blick bewegt sich zwischen Erkennen und Zweifeln. Diese wiederholte Bewegung ist kein Scheitern beim Erkennen des Sujets, sondern eine Leistung des Bildes.[1]

Die Leinwand entstand, als Picasso und Braque erprobten, was ein Gemälde über die Welt wissen konnte, ohne die Kopie eines einzigen Sehmoments vorzutäuschen. Fanny Tellier war keine abstrakte Idee: Sie saß Picasso Modell. Das Ergebnis ist trotzdem kein durchsichtiges Protokoll ihres Aussehens, ihrer Persönlichkeit oder ihrer Musik. Das Bild hält Mensch und Konstruktion zusammen. Die Mandoline bleibt ein Gegenstand; die Figur am Instrument ist zugleich anwesend und verwandelt. Der MoMA-Objekteintrag bietet sichere Identität und den Weg zum Werk, während das Gemälde den Akt der Betrachtung offenhält.[1][2]

Diskussion

Nutzen Sie die Belege und Ihre eigene genaue Betrachtung, um Ihre Sicht zu erläutern. Dies sind redaktionelle Anregungen, keine Leserkommentare.

Anregungen zum Nachdenken

Genaues Hinsehen

Welche gemalten Hinweise lassen Fanny Tellier und die Mandoline erkennen?

Kontext

Was ergänzt die belegte Identität des Modells zu einer formalen kubistischen Lesart?

Offene Frage

Wo lassen sich Figur und umgebende Flächen nur schwer trennen?

Beteiligen Sie sich am Gespräch

Welche Deutung passt am besten zu den Belegen?

Quellen

  1. Museum of Modern Art, Girl with a Mandolin (Fanny Tellier), 966.1979, mit Provenienzforschung.
  2. Musée national Picasso-Paris, „Picasso et le cubisme“.
  3. Centre Pompidou, Frau im Sessel, AM 4391 P.
  4. Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Georges Braque, Frau mit Mandoline.
  5. Museum of Modern Art, Audio zum anderen Picasso-Bild Frau mit Mandoline im Museum Ludwig, Köln.

Bildnachweis

  1. Antonio Vinaccia. CC0. Quelle: Wikimedia Commons. Auf 1.024 px verkleinert, nicht beschnitten. Quelldatensatz. Lizenz.