von
Tom Gurney BSc (Hons) beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Kunstgeschichte

E-Mail: tomgurney1@gmail.com / Telefon: +44 7429 011000

Gustave Dorés Don-Quijote-Illustration, 1863 von Héliodore Pisan gestochen; dies ist nicht Picassos Zeichnung.
Gustave Dorés Illustration der Windmühlenszene, 1863 von Héliodore Pisan gestochen. Dies ist eine andere Interpretation, nicht Picassos Zeichnung. Bildnachweis.

Einführung

Picassos schwarzweißes Bild von Don Quijote ist leicht zu erkennen: Ein hagerer Ritter sitzt hoch auf einem knochigen Pferd und hält eine lange Lanze über einem kleineren Reiter auf einem Esel. Windmühlen säumen den Horizont, und ein lockerer Ring aus Strichen bildet eine strahlende Sonne. Der Entwurf stammt vom August 1955 und wurde in der französischen Wochenzeitung Les Lettres françaises zum 350. Jahrestag der Veröffentlichung des ersten Teils von Miguel de Cervantes’ Roman reproduziert. Seine Einfachheit hat ihn zu einem von Picassos meistkopierten literarischen Bildern gemacht.[1][2][3][4]

Hinter dem vertrauten Motiv steht eine wirkliche Zeichnung Picassos. Das Musée d’art et d’histoire Paul Éluard in Saint-Denis führt einen Don Quichotte unter seinen Picasso-Beständen, und eine jüngere Ausstellung im Mucem katalogisierte das von dort ausgeliehene Original als Tusche auf Papier. Das ist deutlich mehr als ein anonymes Online-Bild belegen könnte. Dennoch wird dadurch nicht jedes Plakat oder jede „Picasso-Lithografie“ mit denselben Figuren zur Originalzeichnung, zum eigenhändig geschaffenen Druck oder zu einer handsignierten Auflage. Die Zeichnung, ihr erster Abdruck in der Zeitung und spätere Reproduktionen haben verschiedene materielle Geschichten; unser Leitfaden zu Picassos Zeichnungen stellt seine Arbeiten auf Papier in einen weiteren Zusammenhang.[1][2][5]

Auf einen Blick

  • Entstehungszeit des Entwurfs: August 1955
  • Original: Tusche auf Papier; Musée d’art et d’histoire Paul Éluard, Saint-Denis
  • Erste Verbreitung: Les Lettres françaises, Heft 581, 18.–24. August 1955
  • Datierungsvorbehalt: Quellen nennen für die Zeichnung den 10. oder 11. August

Don Quijote in Picassos Laufbahn

Ausgewählte Werke
18901910193019501960

Don Quijote

Entwurf 1955; spätere Reproduktionen

Las-Meninas-Serie

1957

Die Datierung des hervorgehobenen Werks berücksichtigt die Erläuterungen in den Quellen auf dieser Seite. Die anderen Werke sind ausgewählte Vergleichspunkte, nicht Anfang oder Ende eines Stils.

Inhalt

  1. Ein Ritter und sein Begleiter aus wenigen Zeichen
  2. Warum das Jahr 1955 wichtig ist
  3. Von Picassos Zeichnung zur Zeitungsseite
  4. Picassos Bild im politischen und literarischen Umfeld
  5. Eine Originalzeichnung ist kein Originaldruck
  6. Ein berühmtes Bild sorgfältig betrachten

Ein Ritter und sein Begleiter aus wenigen Zeichen

Der Ritter steht im Mittelpunkt der Komposition, durch Rosinantes lange Beine hoch über den Boden gehoben. Seine Lanze reicht fast bis zum oberen Bildrand. Neben ihm sitzt Sancho Panza als kompakte dunkle Gestalt tiefer und weiter links auf seinem Esel. Picasso brauchte keine Gesichtszüge auszuarbeiten, um das Paar kenntlich zu machen. Der Gegensatz in Größe, Reittier und Haltung vermittelt ihre Identität weitgehend schon bevor man den Titel liest.[2][3]

Die schwarzen Flächen sind nicht gleichmäßig gefüllt. Einige Striche verdichten sich zum Pferdekörper oder zum Schild des Ritters, andere bleiben dünn und drahtig. Die Sonne ist fast eine offene Schleife mit kurzen Strahlen ringsum. Die Windmühlen sind so klein, dass man sie leicht übersehen kann, und halten die Reiter doch in der Welt von Cervantes’ Geschichte. Eine tiefe, unterbrochene Linie deutet Boden an. Viel Papier bleibt weiß, sodass wenige dunkle Akzente zugleich Figuren, Wetter und Landschaft bilden.[2][3]

Die senkrechteste Form ist die Lanze. Sie verbindet Ritter, Pferd und Himmel und lässt Quijote noch größer als Sancho wirken. Das Pferd erscheint zerbrechlich, trägt aber das visuelle Zentrum; der Esel ist niedriger, kräftiger und weniger feierlich. Ihr Missverhältnis besitzt komische Kraft, doch beide Figuren reisen auch gemeinsam. Picasso macht ihre Kameradschaft sichtbar, ohne eine ausführliche Straße oder eine genaue Episode aus dem Roman darstellen zu müssen.[2][3]

Man könnte versucht sein, das Bild als einzige mühelose Linienzeichnung zu bezeichnen. Es ist vielfältiger. Linien ändern ihr Gewicht, laufen in schwarze Flecken und enden abrupt; Formen entstehen aus kleinen Gruppen von Zeichen. Das Mucem katalogisiert das Original als Tusche auf Papier, während eine Picasso-Stiftung in Málaga von einer lavierten Tuschezeichnung spricht. Beide Beschreibungen stimmen darin überein, dass es eine Arbeit in Tusche ist und keine „Bleistiftskizze“, wie Reproduktionen bisweilen versprechen. Ein gedrucktes Faksimile kann diese Zeichen getreu wiedergeben und dennoch eine völlig andere Oberfläche als das Originalblatt besitzen.[2][3]

Die Figuren haben weder die genau ausgearbeitete Rüstung noch die Szenerie einer Buchillustration, die ein ganzes Kapitel erzählen soll. Quijotes langer und Sanchos runder Umriss genügen, um die Gestalten aufzurufen. Die Windmühlen erinnern an die berühmte Episode, aber das Bild muss nicht als buchstäblicher Augenblick des Angriffs gelesen werden. Die Lanze trifft keine Flügel; die Reiter scheinen in einer Landschaft zu pausieren oder weiterzuziehen. Diese Offenheit hilft dem Entwurf, als Zeitungsbild und später als Plakat zu wirken, wo man das Motiv auf einen Blick erkennen muss.[2][4]

Warum das Jahr 1955 wichtig ist

Der erste Teil von Cervantes’ Don Quijote erschien 1605, der zweite folgte 1615. Das Jahr 1955 markierte daher 350 Jahre seit der Veröffentlichung des ersten Teils, nicht seit Cervantes’ Geburt oder seit der Vollendung des gesamten zweiteiligen Romans. Der Eintrag zur Erstausgabe in der Biblioteca Nacional de España belegt die Publikationsgeschichte hinter dem Jubiläum, das Picassos Bild feierte.[3][4]

Ritter und Knappe lebten längst über die Buchseiten hinaus in Druckgrafik, Theater und Populärkultur fort. Ihr visueller Gegensatz – ein großer Idealist neben einem kleineren, praktisch denkenden Begleiter – konnte viele Deutungen überstehen. Picassos Fassung setzt diese Vertrautheit voraus. Er stellt die Figuren einem Leser, der sie nie kennengelernt hat, nicht durch Namensnennungen in der Zeichnung vor; er liefert ein kompaktes Zeichen, das eine Zeitung neben Texte über Cervantes setzen konnte. Die kleinen Windmühlen stärken die Wiedererkennung, ohne die ganze Geschichte auf eine Anekdote zu reduzieren.[3][4]

Verlässliche Quellen nennen unterschiedliche Tage im August für das Original. Die Picasso-Stiftung in Málaga gibt den 10. August 1955 an; die jüngere Beschriftung des Mucem für das Blatt aus Saint-Denis nennt den 11. August, ebenso eine wissenschaftliche Studie über spanische Exilkünstler und Don Quijote. Der Widerspruch ändert weder das gesicherte Jahr noch das Jubiläum oder das Erscheinen der Zeichnung in der späteren Augustausgabe. Er bedeutet aber, dass ein Datum in einem Verkaufsangebot ohne Prüfung des zugrunde liegenden Objekteintrags nicht als letztes Wort zum Original gelten sollte.[2][3][6]

Videos: Pablo Picasso

Entdecken Sie Picasso in fünf Videos von Museen und Kulturmedien.

Von Picassos Zeichnung zur Zeitungsseite

Die Zeichnung erreichte ihr Publikum über Les Lettres françaises, eine literarisch-politische Wochenzeitung, die in den 1950er-Jahren Louis Aragon leitete. Picassos Bild erschien in Heft 581 vom 18. bis 24. August 1955. Eine wissenschaftliche Untersuchung verortet es auf Seite 12 der Cervantes-Jubiläumsausgabe neben Texten mehrerer Autoren. Das Veröffentlichungsdatum ist nicht der Tag, an dem Picasso den ersten Strich aufs Papier setzte; es kennzeichnet die öffentliche Verbreitung des Werks.[3][6][7]

Nach Darstellung der Picasso-Stiftung in Málaga brachte Pierre Daix, Freund und Biograf Picassos, dem Künstler die Anfrage der Zeitung nach La Californie bei Cannes. Das ist ein plausibler Weg von der Anfrage zur Zeichnung, sollte aber nicht zu einem nacherzählten Gespräch oder zur Behauptung ausgebaut werden, eine erhaltene Skizze zeige mehrere erprobte Lösungen. Die stärksten Spuren sind die veröffentlichte Abbildung und das Original in Saint-Denis. Die Zeichnung entstand für eine bestimmte Jubiläumsausgabe, doch das Bild wirkte weit über diese eine Seite hinaus.[1][3][6]

Seine Platzierung in einer Zeitung war bedeutsam. Im Museum begegnet man der Originalzeichnung als körperlichem Kunstwerk; Zeitungsleser sahen eine Reproduktion neben Artikeln, Überschriften und der politischen Identität des Blattes. Die kräftigen Silhouetten und der großzügige weiße Raum passten zu dieser Umgebung. Der Entwurf blieb im Schwarzweißdruck lesbar, ohne auf eine malerische Farbskala angewiesen zu sein. Das sind Beobachtungen zu Bild und Medium, keine Belege dafür, dass Picasso jede spätere Verwendung selbst geplant hätte.[2][3][6]

Les Lettres françaises kündigten auch eine getrennte Sonderausgabe der Zeichnung zum Verkauf an ihrem Stand während der Fête de l’Humanité im September 1955 in Vincennes an. Die Stiftung in Málaga beschreibt sie als Offsetreproduktion für eine weitere Verbreitung. Ein späterer Plakatkatalog unterscheidet das Zeitungsbild von einer eigenständigen Ausgabe von 1955, doch veröffentlichte Beschreibungen ihrer genauen Drucktechnik stimmen nicht völlig überein. Klar ist: Eine Reproduktion auf einer Zeitungsseite und ein gesondertes, öffentlich angebotenes Druckblatt sind nicht die Originalzeichnung in Tusche aus Saint-Denis.[3][8]

Der Unterschied zwischen diesen Formen ist mehr als Sammlerterminologie. Auf der Zeitungsseite gehörte das Bild zu einer datierten Ausgabe, deren Artikel und Typografie seinen unmittelbaren Kontext bildeten. Als gesondertes Blatt konnte man es unabhängig zeigen, aus dem Zusammenhang der übrigen Autoren lösen und aufbewahren, nachdem die Wochenzeitung weggeworfen war. Beide Formen halfen dem Motiv, sich zu verbreiten. Dafür muss man sich weder vorstellen, Picasso habe bei jedem Erscheinen eine neue Zeichnung geschaffen, noch annehmen, alle Druckexemplare seien in einem einzigen Durchgang entstanden. Spätere Verwendungen in Ausstellungen und auf Plakaten gaben derselben Grundkomposition weitere Umgebungen.[3][6][8]

Picassos Bild im politischen und literarischen Umfeld

Die Jubiläumsausgabe war kein neutrales Schulbuch. Die Bibliothèque nationale de France beschreibt Les Lettres françaises als literarische, künstlerische und politische Wochenzeitung und belegt Aragons Leitung. Picasso war Mitglied der Französischen Kommunistischen Partei, und der geplante Verkauf der Sonderausgabe von 1955 auf einem parteinahen Fest stellte die vertraute spanische Romanfigur in ein bestimmtes öffentliches Umfeld der Nachkriegszeit. Die Bewegung des Bildes durch dieses Umfeld gehört zu seiner Geschichte, obwohl Reiter und Windmühlen keinen ausdrücklichen Parteislogan enthalten.[3][6][7]

Der Historiker Miguel Cabañas Bravo verortet Picassos Zeichnung in einer breiteren Beschäftigung spanischer Künstler und Intellektueller im Exil mit Cervantes. Für viele konnte Don Quijote Ausdauer, Idealismus und die Schwierigkeiten eines Lebens in der Fremde ausdrücken. Dieser Kontext bereichert die Publikation von 1955, besonders bei einem spanischen Künstler in Frankreich. Er beweist nicht, dass Picasso jeden Strich an Ritter oder Sancho für eine bestimmte politische Gruppe stehen lassen wollte oder alle Betrachter das Bild gleich verstanden. Die literarischen Figuren bieten mehr Raum als eine einzelne Kampagne.[6]

Cabañas Bravo verzeichnet außerdem einen anderen Picasso-Entwurf von 1951: Auf dem Umschlag eines Pariser Ausstellungskatalogs halten Quijote und Sancho eine Friedenstaube. Dieses frühere Friedenszeichen darf nicht mit der Windmühlenzeichnung von 1955 verwechselt werden. Wiederkehrende Figuren machen zwei Kompositionen, Daten oder Publikationssituationen nicht austauschbar.[6]

Die vertraute Formel „Träumer und Realist“ ist hilfreich, kann das Paar aber vereinfachen. Picasso lässt beide Figuren denselben dünnen Boden und dieselbe Reise teilen. Sancho ist kleiner und dunkler, aber nicht weggelassen; Quijotes Größe ist von der Zerbrechlichkeit seines Pferdes nicht zu trennen. Humor und Mitgefühl können hier zugleich bestehen. Das Bild zwingt uns weder, den Ritter auszulachen, noch, ihn nur zu bewundern – so wie Cervantes’ Roman mehr ist als eine einzige Lehre über den Kampf gegen Windmühlen.[2][4]

Ein wiedererkennbares Sujet macht die Zeichnung auch nicht konservativ. Picassos reduzierte Bildsprache lässt weißes Papier die Rolle des Raums spielen und verkürzt die Anatomie stark. Von einem fein schattierten Bildnis ist sie weit entfernt, und doch sind Quijote und Sancho unverwechselbar. Picasso „verließ“ 1955 weder Kubismus noch Surrealismus zugunsten einer neuen Epoche namens minimalistische Zeichnung. Er konnte die Mittel eines Bildes einer Figur und einem Publikationszusammenhang anpassen. Jede einfache schwarzweiße Figur als schnelle Kritzelei zu bezeichnen, übersieht die Beherrschung, mit der diese arbeitet.[2][3]

Eine Originalzeichnung ist kein Originaldruck

Das Wort „Original“ stiftet bei Don Quijote die größte Verwirrung. Es kann Picassos einzigartige Tuschezeichnung bezeichnen. In einer Verkaufsbeschreibung kann aber auch „Originaldruck von 1955“ stehen und damit ein frühes, zu Lebzeiten hergestelltes Druckobjekt gemeint sein. Das sind verschiedene Behauptungen. Ein drittes Objekt kann ein späteres Plakat oder eine moderne Reproduktion nach Picassos Entwurf sein. Alle können im Wesentlichen dasselbe Bild zeigen, und ein kleines Webfoto verdeckt womöglich die Unterschiede.[1][2][3][8]

Ein dokumentiertes Marktbeispiel verdeutlicht das. Ansorena katalogisierte ein Blatt als Offsetlithografie auf Ingres-Papier nach Picassos laviertem Tuschebild, herausgegeben von Les Lettres françaises. Vermerkt werden Signatur und Datum, die als Teil des Druckbildes wiedergegeben sind. Das bedeutet, dass die Zeichen zum auf das Blatt übertragenen Bild gehören, nicht, dass Picasso diesen Abzug von Hand signierte. Die Maße von 63 × 48 Zentimetern beschreiben gerade dieses Druckblatt, weder die Originalzeichnung in Saint-Denis noch jede Reproduktion mit demselben Titel.[8]

„Nach Picasso“ muss hier nicht bedeuten, dass jemand anderes das Motiv erfunden hat. Oft unterscheidet es zwischen einem von Picasso entworfenen Bild und einem bestimmten, mit reproduktiven Mitteln daraus hergestellten Druck. Ein Verkäufer kann „Picasso“ an den Anfang eines Angebots stellen, weil seine Komposition zu sehen ist, während weiter unten in den technischen Angaben ein Offsetdruck nach der Zeichnung steht. Umgekehrt braucht auch ein tatsächlich 1955 gedrucktes Blatt eigene Belege zu Herausgeber, Verfahren und Zustand. Die Urheberschaft des Entwurfs und das Datum eines konkreten Blattes sind verschiedene Fragen.[3][8]

Eine frühe autorisierte Reproduktion kann historisch wertvoll sein, ist aber nicht automatisch eine vom Künstler geschaffene Lithografie. Bei der traditionellen Originallithografie ist die Arbeit des Künstlers auf der Druckfläche wesentlich für die Entstehung des Drucks. Eine Offset- oder fotomechanische Reproduktion geht von einem vorhandenen Bild aus und druckt eine Kopie; der Unterschied ist in Picassos Druckgrafik wichtig. Marktbeschreibungen verwenden „Lithografie“ mitunter so weit, dass dieser Unterschied verschwindet. Eine genaue Beschreibung fragt, wie, von wem, wann und nach welcher Bildvorlage das Blatt hergestellt wurde. Dass Picassos Zeichnung zuerst 1955 publiziert wurde, datiert nicht jedes spätere Blatt auf 1955.[3][8]

Die gleiche Vorsicht gilt für Signaturen. Picassos Name und Datum innerhalb des Motivs können auf Tausenden späteren Abzügen getreu wiedergegeben sein. Eine handschriftliche Signatur auf einem konkreten Blatt wäre ein anderes physisches Merkmal, das getrennt untersucht werden müsste. Aus einem niedrig aufgelösten Ausschnitt lässt sich keines von beiden authentifizieren. Papierart, Blattgröße, Druckraster, Ränder, Inschriften, Herausgebervermerke und belegte Provenienz können helfen, eine Zeitungsseite von einem frühen Sonderdruck, einem späteren Plakat und einer jüngeren Dekorationskopie zu unterscheiden. Ein Zertifikat oder Verkaufstitel ist eine zu prüfende Aussage, für sich genommen kein Beweis.[2][3][8]

Das Bild erschien laut der Stiftung in Málaga auch in späteren grafischen Zusammenhängen, darunter ein Plakat für eine Ausstellung von Picasso-Drucken und Reproduktionen um 1960–61. Das macht einen wichtigen chronologischen Punkt sichtbar: Ein im Bild enthaltenes Datum von 1955 kann auf einem Jahre später gedruckten Blatt stehen. Es bezeichnet womöglich den zugrunde liegenden Entwurf und nicht das hergestellte Objekt in jemandes Händen.[3]

Ein berühmtes Bild sorgfältig betrachten

Die Zuschreibung der Originalzeichnung wird durch das besitzende Museum, eine jüngere Leih-Ausstellung und die zeitgenössische Publikationsgeschichte gestützt. Das ist etwas anderes, als ein einzelnes Blatt in Privatbesitz zu authentifizieren. Die öffentlich zugängliche Zusammenfassung des Museums in Saint-Denis nennt für Don Quichotte weder eine vollständige Objektnummer noch Maße oder eine lückenlose Erwerbsgeschichte; diese Angaben dürfen nicht erfunden werden, damit der Eintrag vollständiger wirkt. Das Mucem beschreibt das Werk als Tusche auf Papier und nennt die Picasso-Nachlassverwaltung im Bildnachweis.[1][2]

Ein Online-Bild kann beim Wiedererkennen der Komposition helfen, aber das fotografierte Blatt nicht allein identifizieren. Ein Museumsbild der Zeichnung aus Saint-Denis, eine Zeitungsseite, ein früher Offsetdruck und ein späteres Plakat können in kleiner Ansicht ähnlich aussehen. Bildunterschriften, Papier, Maße und Publikationsgeschichten unterscheiden sie. Die Einträge des Museums und des Mucem belegen das Original stärker als eine losgelöste Webreproduktion.[1][2][3]

Picassos Don Quijote ist auf der Ebene des Entwurfs von 1955 kein Rätsel der Zuschreibung. Es ist eine dokumentierte Tuschezeichnung zum Cervantes-Jubiläum, zuerst über eine Zeitschrift verbreitet, danach über gesonderte Drucke und spätere Reproduktionen. Bei jeder einzelnen Kopie lautet die entscheidende Frage, welches Objekt sie ist. Die Picasso-Bestände des Museums Saint-Denis[1] und der Mucem-Leihkatalog (PDF-Link ausgelassen) verankern das Original; die Publikations- und Drucknachweise erklären, weshalb so viele weitere Fassungen existieren.[1][2][3]

Diskussion

Nutzen Sie die Belege und Ihre eigene genaue Betrachtung, um Ihre Sicht zu erläutern. Dies sind redaktionelle Anregungen, keine Leserkommentare.

Anregungen zum Nachdenken

Genaues Hinsehen

Wie unterscheiden wenige Striche Don Quijote, Sancho und ihre Reittiere?

Kontext

Welche Belege trennen die Zeichnung in Saint-Denis von einer gedruckten Reproduktion?

Offene Frage

Warum muss die Datierung auf den 10. oder 11. August 1955 offenbleiben?

Beteiligen Sie sich am Gespräch

Welche Deutung passt am besten zu den Belegen?

Quellen

  1. Musée d’art et d’histoire Paul Éluard, Saint-Denis, Picasso-Bestände.
  2. Mucem, Lehrmaterial zu Don Quichotte, 2025, S. 12 (PDF-Link ausgelassen).
  3. Fundación Picasso Museo Casa Natal, spanisches Datenblatt Don Quijote y Sancho (PDF-Link ausgelassen).
  4. Biblioteca Nacional de España, Erstausgabe von Don Quijote ; Überblick über die Ausgaben.
  5. Mucem, Ausstellung Don Quichotte 2025–26 und Leihgeber.
  6. Miguel Cabañas Bravo, „Don Quijote entre los artistas del exilio“, eHumanista/Cervantes 3 (2014), S. 419–449, besonders S. 431–433 (PDF-Link ausgelassen).
  7. Bibliothèque nationale de France, Zeitschrifteneintrag zu Les Lettres françaises.
  8. Ansorena, katalogisierter Offsetdruck nach Picassos Zeichnung ; Picasso-Plakatkatalog, Einträge 162–165 (PDF-Link ausgelassen).

Bildnachweis

  1. Gustave Doré (Illustrator) und Héliodore Pisan (Stecher), 1863. Gemeinfreies Werk; getreue zweidimensionale Reproduktion. Quelle: Wikimedia Commons nach der Bibliothèque nationale de France. Auf 1.024 px verkleinert, nicht beschnitten. Quelldatensatz. Lizenz.